Redaktion

„Im Winter legen wir drauf“

Pfalz im Rhein. Foto: Friedrich Gier/Romantischer Rhein Tourismus GmbH

Ob, wann und zu welchem Preis die Mittelrheinbrücke kommt, ist noch immer nicht klar. Für die Fährleute ist es aber durchaus ein Thema. Der Kauber André Kimpel etwa hatte laut „RZ“ Schwierigkeiten, einen Investitionskredit für seinen Schiffsmotor zu bekommen- die Bank zweifelte an der Zukunft des Geschäftsmodells, erkannte dann aber doch, dass es mir der Brücke wohl noch ein bisschen dauert. Kimpels Niederheimbacher Kollege Michael Schnaas gibt sich im „RZ“-Artikel tiefenentspannt. O-Ton: „Ich werde in diesem Jahr 60, sollte die Brücke kommen, ist das kein Thema mehr für mich.“ Der Bopparder Tony Deleu will auf jeden Fall weitermachen. Aber nicht mehr das ganze Jahr über, denn in der dunklen Jahreszeit ist das Geschäft schon jetzt unrentabel. „Im Winter legen wir drauf“, zitiert ihn die Zeitung. Sollte flussaufwärts zwischen Wellmich und St. Goar-Fellen eine Brücke gebaut werden, werde man “ zwischen November und März den Betrieb einstellen“, kündigte er an. Für die St. Goarer Fähre dagegen ginge es um die schiere Existenz. Sie ist nur wenige Kilometer vom mutmaßlichen Standort der Brücke entfernt. Allerdings scheint auch deren Eigentümerin nicht mit einem schnellen Bau zu rechnen – die Flensburger Großreederei FRS hat den Betrieb erst vor einem Jahr übernommen. Rhein-Zeitung (€)
Foto: Friedrich Gier / Romantischer Rhein

Die große Leere

In Bingen leert sich das „City-Center“. Nach dem Auszug des Rewe-Supermarktes zum Jahresende ist am 31. Januar auch bei Intersport Schluss. Der Räumungsverkauf läuft schon seit Oktober. Wie die „AZ“ berichtet, wollen die Inhaber Roman Brendler und Markus Klingler nach 20 Jahren Selbstständigkeit in Festanstellungen wechseln. Nachfolger für ihr 560 Quadratmeter großes Fachgeschäft fanden sich bisher nicht. Allgemeine Zeitung (€)

Ein Weg kommt durch den Wander-TÜV

Der linksrheinische Rheinburgenweg ist nicht ganz so bekannt wie sein rechtsrheinisches Gegenüber Rheinsteig, aber nicht weniger eindrucksvoll. Seine Zertifizierung als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ wurde gerade vom Deutschen Wanderinstitut bestätigt. Der Rheinburgenweg führt über 200 Kilometer vom Rolandsbogen bei Remagen bis zum Binger Mäuseturm. Romantischer Rhein Touristik (per Mail)

Foto des Tages

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2 Gedanken zu „„Im Winter legen wir drauf““

  1. Lieber Herr Dr. Zimmer,

    Ihre Meldungen über die dynamische Entwicklung bezüglich Boppard und dem Krankenhaus, der Entwicklung des Binger Tourismus und anderen schätze ich sehr, an einem Ort findet sich gebündelt, wenn es etwas Neues gibt.
    Anders stellt es sich meiner Auffassung nach beim Thema Brücke/Fähren dar. Es ist bei diesem Thema nicht sinnvoll, unkommentierte, nicht einordnende Artikelzusammenfassungen anderer Medien zu bringen, denn die Entwicklung ist hier nicht dynamisch-fortschreitend sondern zyklisch. Es handelt sich um ein klassisches Wahlkampfthema, die Inszenierung von Sich-Kümmern im vierjährigen Rhythmus, während sich die Faktenlage kaum ändert. Ab-und-an tauchen Artikel in anderen Medien auf, performative, zeitliche genau platzierte Handlungen wie bsw. der afd (Nachfrage Planungsstand) und der Regierung (Mitteilungen bei inkrementellem, letztlich nichtssagendem Fortschritt der Planungen „Raumordnerischer Entscheid liegt vor“). Wenn Sie so berichten bzw. über die Berichterstattung in diesem Themenfeld berichten, spielen Sie das Spiel mit, ohne den Mehrwert, den Überblick, den Mittelrheingold sonst bietet und helfen durch das Aufspringen auf das Thema bei der medialen Verstärkung, das Thema wird kurzfristig aufgebaut und der Eindruck einer Entwicklung erweckt.
    Es beginnt beim Titel, der behufs der Aufmerksamkeitsökonomie Emotionen irgendeiner Art erwecken soll (hier: Mitleid+Clickbait: „Um wen geht es wohl“).
    Außerdem inhaltlich die unverändert übernommene Selbstdarstellung der Fährbetreiber: Zitate wie „Im Winter legen wir drauf“ oder Klage über Finanzierungsschwierigkeiten suggerieren eine nicht-wirtschaftliche Entscheidung für „die Sache“ bzw. für „die Leute“, während es sich um wirtschaftlich handelnde Unternehmen handelt, die sich selbst entscheiden, was für sie sinnvoller ist und da kann bsw. ein temporäres Zuschussgeschäft die Gewogenheit und Gewohnheit der Kundschaft so beeinflussen, dass es sich, auf das ganze Jahr betrachtet, lohnt. Das ist in vielen Branchen nicht anders, Gastronomie, Hotellerie, Handwerk, Einzelhandel,…
    Dann das Thema selbst, wer sowohl den Rhein-Zeitungs-Artikel als auch Ihre Zusammenfassung liest, könnte den Eindruck bekommen, es handele sich hier um eine aktuelle Entwicklung, was es nicht ist. Das Thema bedarf einer Einordnung zur Geschichte des Themas, dem konkreten, aktuellen Stand (Raumordnungsverfahren und dann mal schauen, wer es bezahlt bzw. ob die Landkreise sich den Unterhalt leisten können, Brückenbau fraglich), einer zumindest teilweisen Abkehr vom Zyklus (etwa durch follow-up 6-12 Monate nach der Wahl) und der Nennung konkreter struktureller Probleme, die einem Bau weiterhin im Weg stehen.
    Das alles ist für Sie in der Art, wie Mittelrheingold betrieben wird, so nicht umsetzbar.
    Die Rheinzeitung allerdings sollte das tun…

    Freuen würde mich daher zukünftig der gelegentliche Verzicht auf die Berichterstattung bei Nichtssagendem wie dem verlinkten Artikel und der generelle Versuch, antizyklisch das Thema mit Kontext und kleiner Einordnung der Entwicklung in der Öffentlichkeit zu halten.
    Ich weiß, ich bezahle Ihnen nichts, es handelt sich hier nicht um Forderungen, sondern um Anregungen und ich schätze Ihre Arbeit, wie oben geschrieben, im Allgemeinen sehr.

  2. Lieber Herr Bardo,

    vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik. Ich weiß das sehr zu schätzen, und auch wenn Sie – wie Sie schreiben – „nichts zahlen“: Ihre Aufmerksamkeit ist für Mittelrheingold viel wert.

    Beim Thema Brücke fiel in den vergangenen Wochen und Monaten einiges unter den Tisch bzw. blieb im Blog unerwähnt. Denn Sie haben ja recht, dass nicht jede Wasserstandsmeldung veröffentlicht werden muss, z. B. die parteipolitische Debatte um die späteren Sanierungskosten, die jetzt noch gar nicht interessiert, weil keine Entscheidung dazu ansteht. Im aktuellen Fall fand ich die Hinweise der Fährleute interessant, z. B. die aus Kaub . Wenn Banken wegen der Brücke einen Kredit erst verweigern und dann doch freigeben, sagt das einiges über die Risiken des Brückenbaus aus. Eine wichtige Frage wird sein, ob und wie die Fähren überleben werden. Worst Case wäre, wenn die öffentlichen Diskussionen Investoren, Banken und auch Fachpersonal verunsichert, die Fahrbetriebe in immer größere Schwierigkeiten geraten und am Ende doch keine Brücke kommt und die Wege über den Rhein noch schwieriger sind als jetzt schon. Darum finde ich die Perspektive der Fährbetriebe interessant. Fast noch interessanter sind die Reaktionen auf Brücken-Artikel im Vergleich zur Stimmung vor einigen Jahren. Es ist nur ein persönlicher Eindruck, aber nach meiner Wahrnehmung hat die Begeisterung über den Bau nachgelassen – unabhängig vom Thema Landschaftszerstörung vs. Wirtschaftsförderung.. Die Leute glauben einfach nicht mehr daran bzw. stellen den Sinn in Frage, weil sie jetzt vielleicht mehr als früher die gigantischen Kosten und die langen Zeiträume sehen.

    Danke nochmal für Ihren Input. Bleiben Sie Mittelrheingold gewogen, das würde mich sehr freuen.

    Herzliche Grüße,

    Frank Zimmer

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