Die Loreley-Rezession scheint gestoppt. Zwischen Januar und Oktober kamen deutlich mehr Besucher in den Kultur- und Landschaftspark als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus einem Bericht der kommunalen Loreley Touristik GmbH hervor, der auf der Website der Verbandsgemeinde veröffentlicht wurde. Demnach gab es schon vor der Eröffnung der Mythoshalle im Juli ein dickes Plus – für April weist die Statistik eine Steigerung von 41 Prozent aus und im Juni waren es sogar 68 Prozent. In den 10 Monaten von Jahresbeginn bis zum 31. Oktober wurden insgesamt 140.265 Besucher gezählt, 31 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2024. Sein bisher bestes Jahr hatte der Kultur- und Landschaftspark 2021. Damals kamen über 155.000 Menschen auf den Felsen, davon 150.451 bis zum Stichtag 31. Oktober. Die größte Touristenattraktion in der Verbandsgemeinde Loreley ist die Marksburg mit rund 180.000 Besuchern pro Jahr. VG Loreley (Bericht der Loreley-Touristik)
Foto: Andreas Pacek, fototour-deutschland.de/Romantischer Rhein Tourismus GmbH / CC BY 4.0
Franziskus im Fernsehen
Spiel- und Schreibwaren Hermann in Oberwesel ist einer der wenigen Lichtblicke im allgemeinen Einzelhandelsdunkel. Franziskus Weinert, Inhaber in 5. Generation, bedient seine Kunden vor Ort in der Liebfrauenstraße genauso professionell wie im Internet. Mittlerweile macht er die Hälfte des Umsatzes online. Wie er den Spagat zwischen stationärem und digitalem Handel schafft und was ihm dabei zugute kommt, zeigt eine TV-Reportage des SWR. Film ab! SWR (Video)
Oliver für Oberdiebach
Über ein neues Stadtoberhaupt für St. Goarshausen gibt es bisher nur Gerüchte, aber stromaufwärts in Oberdiebach ist die bürgermeisterlose Zeit vorbei. „Ich habe mir das alles ein gutes Jahr lang angeschaut und mir dann gesagt: ,Ich mach’ das jetzt!’“zitiert die „AZ“ den neuen ehrenamtlichen Verwaltungschef Oliver Straßburger. Der 46-Jährige weiß, worauf er sich im Spätsommer eingelassen hat; er ist seit 16 Jahren Mitglied des Gemeinderats und im Hauptjob Verwaltungsprofi: Straßburger arbeitet als Feldschütz und Sachbearbeiter für Landwirtschaft und Weinbau bei der Stadt Bingen. Allgemeine Zeitung (€, aktuelles Bürgermeister-Porträt), Allgemeine Zeitung (€, Straßburger als Binger Feldschütz, 2023)
Foto des Tages
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Lieber Herr Zimmer,
Ihren Optimismus bezüglich der Loreley-Touristik schätze ich sehr.
Grund dazu, zumindest vorsichtig optimistisch zu sein, geben die Zahlen aus dem Bericht der Touristik.
Vorausgesetzt, die Datenerfassung wurde über die Vergleichsjahre gleich durchgeführt, hat sich insbesondere der Verkauf von Souvenirartikeln gesteigert, die Besucherzahlen sind wieder etwas höher als in den vergangenen drei Jahren, wenn man auch im Jahresvergleich nicht gerade von Rekordzahlen sprechen kann. Die Gründe für diese Schwankungen korrelieren sicher mit der Eröffnung der Kristallkammer, ob dadurch aber zumindest eine Stabilisierung der Besucherzahlen auf dem Niveau von vor 4-5 Jahren erreicht werden kann, bleibt abzuwarten.
Das Besucherzentrum bzw. die Tourist-Info hält das Vorjahresniveau.
Das klingt doch in Ordnung.
Interessant finde ich auch die anderen Folien, die ein gemischtes Bild zeichnen:
– das Social-Media-Marketing findet in nicht nennenswertem Umfang statt, es gibt aber offenbar auch kein Budget, um produzierte Inhalte unabhängig von ihrer medialen Qualität bzw. Algorithmustauglichkeit an die Leute zu bringen
– die Webseite der Touristik wurde umgebaut, es gibt mehr POI’s, mit der Karte finde ich es aber gelinde gesagt sehr umständlich zu arbeiten. Gelangt man bsw. durch einen Klick auf „Karte“ in der Kategorie „Wein“ auf die Kartenansicht, ist alles andere, bsw. Burgen, ausgeblendet und auch nicht einblendbar. Wer sich so ein nettes Wochenende in der Region zusammenorganisieren möchte klickt immer wieder zwischen den Kategorien hin- und her. Außerdem sind alle POI’s blau und haben das gleiche Symbol, egal ob Burg oder Getränkemarkt. Interessant wäre es auch, wichtige Details, wie, ob und wann man eine Burg besichtigen kann, als Filter einstellen zu können und dafür nicht auf die Detailseite der Burg gehen zu müssen, um da dann inmitten der ganzen hingeklatschten Schlagworte wie „Burg, Historisch, Historische Bauten, Sagenhaft/Wehrhaft, Sagenhafte Bilder, Sagenhafte Sagen, Schlösser/Burgen“ den Hinweis zu bekommen, dass die Burg, wie die meisten, nicht besichtigt werden kann. Filter aller POI’s nach geöffnet zum Reisezeitpunkt, draußen/drinnen und dann nur grob nach den Überkategorien „Wein“, „Schloss/Burg“, „Unterkunft“, „Gastronomie“, „WC“ sowie eine farbliche Codierung würden mir reichen. Außerdem irritiert es mich, dass Wandertermine und Wanderrouten auf verschiedenen Karten dargestellt werden. Das Radfahren wird besonders stiefmütterlich behandelt: es ist nicht in die Karte eingebunden. Stattdessen gibt es einen Link, der zur Tourenseite für Gesamt-Rlp führt, wo man nach Orientierung auf der Seite dann erst einmal „Tour“, „Radtour“ auswählt um dann festzustellen, dass es nur eine Handvoll vorgeschlagene Touren im Loreleygebiet gibt, die ausschließlich, unkreativerweise, im Tal über den bekannten Rheinradweg führen. Die Loreley-Touristik-Seite selbst liefert dann immerhin noch einen Radweg von St. Goarshausen auf die Loreley (13,3km! das erklärt die verzweifelten, die stattdessen lieber die gefährliche Straße im Forstbachtal hochradeln) und bewirbt „zahlreiche“ MTB-Strecken im dafür perfekten Taunus (es sind zwei).
Die Pauschalarrangements für Gäste wirken auf den ersten Blick preiswert und durchdacht, die Unterkunftsansicht zeigt unter Verbandsgemeindemitarbeitern als Model auf körnigem Bild eine Auswahl von Gastgebern, die mir gut sortiert erscheint.
Die Funktion der Übernachtungsbuchung über die Seite spielt leider mit unter 50 Buchungen bei bis zu 220000 Übernachtungen jährlich offenbar keine Rolle.
Außerdem steht in der Präsentation, dass Infrastruktureinträge überarbeitet und erweitert wurden, allerdings sind diese Beiträge überladen bsw. mit Öffnungszeiten, Telefonnummer, etc. für Parkbänke und einer Auflistung sämtlicher Kategorien, in denen das Infrastrukturobjekt auftaucht. Dass es mehr davon gibt und sie nach Messung der Touristik besser geworden sind, ist allerdings super.
Insgesamt ist die neue Seite für mich total überladen und eher dysfunktional, fragmentiert. Welcher Tourist klickt sich durch einzelne 22 Dörfer durch, um dann bei den Sehenswürdigkeiten und Infrastruktur eine Wanderbank zu finden?
– regelmäßige Veranstaltungen der Touristik, die größere Besucherzahlen erreichen, gibt es offenbar nicht, ein toller Schritt ist allerdings LoreLive, was die örtlichen Kulturschaffenden mal mit einbezieht, ihnen Sichtbarkeit verschafft und die Bindung der Bevölkerung zur Loreley stärken kann. Das geplante Veranstaltungsangebot für Firmen „Champion der Loreley“ klingt spannend.
– „das Beste“ scheint eine geplante Zusammenarbeit mit Playmobil für eine Loreleyfigur zu sein
Als Fazit für mich steht am Ende der Lektüre der Präsentation und des Ausprobierens der neuen Webseite die Erkenntnis, dass etwas geschieht und versucht wird, sich bessert, dass ich aber nicht verstehe, was genau. Ich erkenne keine Zielgruppe/n, keine Marketingstrategie und entsprechende Datenerhebung (Will man jetzt langsamen (Wander-)Tourismus als Abkehr vom Bustourismus der 60er, den es nicht mehr gibt? Warum misst man Übernachtungen nur an Betrieben über 10 Betten?) und eine Webseite, die es scheinbar allen recht machen will, dabei aber für mich oberflächlich bleibt und im Detail eben nicht nutzerfreundlich und eben auch nicht erfolgreich.
Was ich aber sehe, ist eine Richtung, eine Tendenz zur Rekommerzialisierung, Professionalisierung und zur Einbindung der lokalen Bevölkerung und das finde ich klasse. Ich weiß nicht, wo es hingeht aber immerhin scheint jemand etwas zu bewegen, mal schauen, welches Bild sich in den nächsten Jahrzehnten so abzeichnet.
Gruß, Reinald