Redaktion

Die ADD und die Alm

Maria Ruh. Foto: Maria Ruh.

EU-Fördermittel, die direkt vor Ort von Kennern der Region vermittelt werden? Klingt gut, passt in die Landschaft und ist seit Jahren erfolgreich: Das „Leader“-Programm, angedockt beim Zweckverband Welterbe in St. Goarshausen, hat schon viele private und kommunale Projekte unterstützt, darunter die Ausbildung von Kultur- und Weinbotschaftern, die „Weihnachtsburg“ Rheinstein und die Weiterentwicklung des Marksburg-Museums. Grünes Licht gab es auch für die Idee einer Wintergastronomie gegenüber der Loreley. Michèle Ripp und Niklas Melchior vom Ausflugslokal Maria Ruh bei Urbar sollten bei ihrem Einsatz mit knapp 25.000 Euro unterstützt werden. Sie planen unter dem Titel „Maria Alm“ ein Angebot im alpinen Stil inklusive Eisstockbahn, Iglus und Glühweinhütte. So könnte die Saison bis weit in den Winter hinein verlängert werden. Allerdings währte die Freude über den Leader-Zuschuss nicht lange. Denn laut „RZ“ kam nach der Zusage die Landesbürokratie. Die „Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion“ (ADD) in Koblenz forderte von den beiden Pächtern u. a. langfristige Wirtschaftlichkeitsrechnungen, verbindliche Zusagen über jahrelangen Betrieb und dieselben Dokumente, die bei anderen Behörden längst eingereicht worden waren. Besonders bizarr: Ripp und Melchior, Maria-Ruh-Profis seit 2025, sollten nachweisen, dass sie dort über eine Schanklizenz verfügen. Beide haben jetzt entnervt aufgegeben. Das bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zur Fördersumme, heißt es. Jetzt ziehen sie alles aus eigenen Mitteln durch – und setzten ihre kompletten Investitionen von rund 60.000 Euro von der Steuer ab. Rhein-Zeitung (€), SWR, Projekt Maria Alm (Leader-Management / Zweckverband Welterbe)
Foto: Maria Ruh

Gewa ist Geschichte

Die Weinbau-Krise trifft nicht nur die Winzer. In Bingen kostet sie die letzten 75 Arbeitsplätze bei MCC Multi-Color, besser bekannt unter dem früheren Namen Gewa („Gebrüder Walter“). Die fast 100 Jahre alte Etikettendruckerei war erst vor 4 Jahren vom traditionellen Standort Büdesheim in einen großzügigen Neubau im Gewerbegebiet Sponsheim umgezogen. „Niemand hat damals die Probleme der Weinbranche abgesehen“, zitiert die „AZ“ MCC-Managerin Lucyna Westerhorstmann. Jetzt zieht sich der US-Konzern MCC, der Gewa übernommen hatte, aus Bingen zurück. Eine Heuschreckenentscheidung sei es nicht gewesen, heißt es – ohne den Investor im Rücken wäre wohl schon früher Schluss gewesen. Die Weinbranche und ihre Zulieferer leiden unter deutlich verringerter Nachfrage und hohen Produktionskosten. Mit der Druckerei-Schließung inmitten der Rezession schließt sich ein Kreis: Die Binger Brüder Heinrich und Franz Walter waren in der Weltwirtschaftskrise 1931 arbeitslos geworden und machten sich mit einer handbetriebenen Druckmaschine selbständig. Ihre Nachfolger – erst ihre Kinder und Enkel, dann die Manager von MCC – beschäftigen in den besten Zeiten bis zu 200 Mitarbeiter. Allgemeine Zeitung (€), YouTube (Image-Video der damaligen Gewa 2012)

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