Wer Brückenbau, Buga-Planung und Bahnlärm für die größten Aufreger am Mittelrhein hält, liegt nicht falsch. Es gibt aber noch ein weiteres Thema mit hohem Eskalationpotenzial: Kultur. Lahnsteiner wissen das, sie haben 2022 / 2023 entweder empört oder fassungslos oder Popcorn essend den Konflikt zwischen Oberbürgermeister Lennart Siefert und Theaterintendant Friedhelm Hahn verfolgt; selbst das SWR-Fernsehen interessierte sich für den Fall . Die Dramaturgie ist überall ähnlich: Erst geht es ums Geld, dann um Gefühle, dann um Grundsätzliches. Besonders schwierig wird es, wenn ein Quereinsteiger mit neuem Stil Verantwortung für eine Kommune übernimmt und auf ein eingeschworenes Netzwerk aus Kulturschaffenden und deren Unterstützern trifft – so wie in Lahnstein. In Bacharach zeigt sich gerade ein vergleichbares Konfliktmuster. Hier geht es zwar nicht um ein festes Ensemble, aber die Zukunft des Theaterfestivals „An den Ufern der Poesie“, bringt Stadträte und Stammtische ins Rage. Der 2024 neu gewählte Stadtbürgermeister Dieter Kemmer unterstützte das Projekt und die notwendigen Haushaltsbeschlüsse, schaute aber auch bei Planungen und Berechnungen genauer hin als bisher üblich. Bei dem seit 10 Jahren für Kultur zuständigen Beigeordneten Rainald Kauer kam das nicht gut an, er argumentierte mit fehlender Wertschätzung und trat im Februar zurück. Stimmung und Zahlen wurden seitdem nicht besser. Die Knackpunkte sind das spät kalkulierte Marketing-Budget und eine Projektstelle, die vom Zweckverband Welterbe kommen müsste, dort aber noch nicht finanziert werden kann. Auf eine Reduzierung des Festival-Angebots wollten sich die Künstler des Frankfurter Theaters Willy Praml nicht einlassen, sie fühlen sich ihrem langjährigen Ansprechpartner Kauer verbunden. Laut „AZ“ hat Theaterchef Michael Weber das Festival jetzt per Mail an die Stadt Bacharach abgesagt. „An den Ufern der Poesie“, eine Hommage an Heinrich Heine, fand zuletzt 2022 statt. Als Höhepunkt gilt die Saison 2019, damals gab es 14 Veranstaltungen in 5 Mittelrhein-Orten. Neben Bacharach waren auch Oberwesel, Kaub, Lorch und Niederheimbach dabei. Viel privates Engagement bis hin zu kostenlosen Hotelzimmern für Schauspieler machte in den ersten Jahren einiges möglich. Der nächste Schritt wäre ein langfristig finanziertes, realistisch kalkuliertes und professionell vermarktetes Mittelrhein-Festival gewesen. Vielleicht ist das zu viel verlangt. Allgemeine Zeitung (€); Bürgermeister Bacharach Blog (über den Rücktritt von Rainald Kauer)
Foto: An den Ufern der Poesie 2019 / Katrin Gloggengiesser
Das Rennen um Rüdesheim
Es war eine schwierige Geburt, aber jetzt hat die Rüdesheimer CDU einen Bürgermeisterkandidaten: Simon Weimann, 43, tritt am 7. September gegen den parteilosen Bewerber und Rüdesheimer Tourismus-Chef Dirk Stuckert an. Weimann lebt und arbeitet als selbständiger Physiotherapeut im Höhenort Presberg und amtiert dort auch als ehrenamtlicher Ortsvorsteher. In der CDU musste er sich zunächst gegen seinen Parteifreund Johannes Schura durchsetzen; beide erhielten bei einer ersten Abstimmung im Februar gleich viele Stimmen. In einer zweiten Mitgliederversammlung holte Weimann 49 von 93 Stimmen. Bei der Wahl im September geht es um die Nachfolge des parteilosen Bürgermeisters Klaus Zapp, der nicht mehr antritt. Wie in Hessen üblich ist es ein hauptamtlicher Vollzeit-Job, die Besoldung hängt von der Zahl der Einwohner ab. In Rüdesheim (knapp über 10.000 Einwohner) wäre es die Besoldungsstufe B2. Das macht dann 8857,65 Euro brutto. Wiesbadener Kurier (€)
Politik mit Barth
Apropos Wahl: Thomas Barth, 47, wird neuer Landrat des Kreises Mainz-Bingen. Der CDU-Landtagsabgeordnete, ehrenamtliche Bürgermeister (Stadecken-Elsheim) und frühere Gymnasiallehrer (Französisch und Spanisch) gewann am Sonntag die Stichwahl gegen SPD-Mann Steffen Wolf. Barth folgt am 1. Oktober auf Dorothee Schäfer, die sich in den Ruhestand verabschiedet. Zum Kreis Mainz-Bingen gehören neben Bingen auch die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe mit Bacharach, Oberdiebach, Manubach, Breitscheid, Ober- und Niederheimbach und Trechtingshausen. SWR
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