In Bingen hat es ein wenig länger gedauert als im Anbaugebiet Mittelrhein, aber dieses Jahr geht auch hier ein Marketingmodell aus der Adenauer-Ära zu Ende: die „Weinprinzessin alten Stils hat nach über 70 Jahren ausgedient; ab sofort dürfen auch Männer nach der Krone greifen. „Gesucht werden offene, kommunikative und weinbegeisterte Persönlichkeiten ab 18 Jahren, die Lust haben, Bingen mit Charme, Wissen und Begeisterung zu vertreten“, heißt es auf der Website der Stadt. Die einzige Voraussetzung sei ein Wohnsitz in der Innenstadt oder in einem der Stadtteile. Laut Oberbürgermeister Thomas Feser möchte man „die Weinhoheit moderner und zeitgemäßer aufstellen und noch mehr Menschen die Chance geben, Teil dieser besonderen Tradition zu werden.“ Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 31. März. Unklar ist, welchen Titel ein männlicher Gewinner tragen würde – der bisher gebräuchliche Begriff „Prinzess Schwätzerchen“ kommt in der Pressemitteilung der Stadt nicht mehr vor. Pionier für die royale Gleichberechtigung im Welterbetal ist der Steeger Winzer Gero Schüler. Er trat 2022 für das Amt des Mittelrhein-Weinkönigs an, amtierte danach 2 Jahre als erster männlicher Weinprinz und schaffte es damit sogar in den „Spiegel“. Stadt Bingen (Pressemitteilung), Spiegel (Gero Schüler 2022)
Foto: Torsten Silz / Stadt Bingen
Video der Woche
Der 2018 verstorbene Mainzer Kardinal Karl Lehmann war bekennender Fan der schwedische Popgruppe Abba. Was aus seiner Plattensammlung wurde, weiß man nicht. Aber seine riesige Privatbibliothek ist jetzt in guten Händen. Lehmann hatte sie der Wissenschaft vermacht, und so landete jetzt der größte Teil – 28.000 (!) Bücher – in der Universität Koblenz. Ein SWR-Video zeigt die dortigen Forscher bei der Erfassung des unverhofften Schatzes. Bibliografische Sensationen erwartet man allerdings nicht – die kostbarsten Stücke wurden vermutlich vom Bistum herausgefischt. SWR
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