Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: August 2021 Seite 1 von 8

„Der Kunz? Noch so ein Verrückter wie ich!“

Eigentlich war der Abriss schon beschlossen: Nach fast 300 Jahren sollte der Braubacher Gasthof „Zum Weißen Schwanen“ einem Supermarkt-Neubau weichen. Zum Glück kam es 1972 anders. Der Maler und Restaurator Erich Kunz kratzte damals 80.000 Mark zusammen, kaufte das Fachwerkhaus und machte ein Schmuckstück daraus. Heute ist der „Schwan“ das erste Haus am Platz und eines der wenigen Vier-Sterne-Superior-Hotels am Mittelrhein. Kunz ist mittlerweile 85 und lässt seine Tochter Carolin König-Kunz machen. Sie hat den Betrieb erweitert. und führt neben dem Braubacher Landgasthof auch die Gastronomie auf Burg Sterrenberg. Der Durchbruch für den „Schwan“ kam in den frühen 80er Jahren. Damals kehrte Bundespräsident Karl Carstens ein und machte das Hotel bundesweit bekannt. Viele Promis folgten.

„Zum Weißen Schwan“ in Braubach. Foto: Unternehmen

Im Gästebuch verewigten sich u. a.  NATO-Generalsekretär Manfred Wörner, Schauspielerin Gudrun Landgrebe, TV-Moderator Roger Willemsen und Feminismus-Ikone Alice Schwarzer („Ich liebe den Mittelrhein“). Jan Josef Liefers lobte den „Schwan“ in höchsten Tönen („Dass ich hier nun endlich erfahren durfte, wie man Treppen anständig mit Lack versiegelt, ist nur ein winziges Detail eines großartigen Wochenendes. Das Essen war formidable!“), Corinna Harfouch bedauerte, dass sie wieder weg musste („Hätte ich gewusst, wie schön es hier ist, hätte ich mehr eingepackt und spontan verlängert“) und Ben Becker freundete sich mit dem Seniorchef an: „Am Geilsten ist mit eurem alten Herrn bis tief in die Nacht Bier zu trinken.“ Das vielleicht schönste Kompliment für Kunz kam vom Wiener Malerfürsten Friedensreich Hundertwasser: „Der Kunz? Noch so ein Verrückter wie ich.“ In der Rhein-Lahn-Ausgabe der „Rhein-Zeitung“ ist ein ausführlicher Artikel über den „Schwanen“ erschienen. Was dabei ein bisschen unter den Tisch fällt: Der Braubacher Landgasthof setzt nicht nur gastronomisch Maßstäbe. Zum Anwesen gehört auch einer der schönsten Gärten im Welterbetal. Rhein-Zeitung, Welterbe Mittelrheintal (über den „Bauengarten Zum Weißen Schwanen“)

Warum es DIE Hilfe heißt

Den Koblenzer Verkehrsbetrieben fehlen Busse, um freiwillige Helfer ins Ahrtal zu bringen. Der kostenlose Shuttle Service wurde eingestellt, weil die Sommerferien vorbei sind und alle Kapazitäten für den Schülertransport gebraucht werden. Laut „RZ“ machten sich an manchen Tagen 120 Helfer ins Katastrophengebiet auf. Habe ich „Helfer“ geschrieben? Die meisten waren Helferinnen. „Da können sich die Männer bei den Frauen eine Scheibe abschneiden!“, zitiert die „RZ“ Alex Kron aus Rhens. Er fuhr mehrmals mit und zählte  „meist zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer.“ Rhein-Zeitung

Bingen sagt Danke

Apropos Engagement: In Bingen hat sich die Stadtverwaltung bei Bürgerinnen und Bürgern bedankt, die Menschen aus ihrer Nachbarschaft zum Ingelheimer Impfzentrum chauffiert haben. Laut „AZ“ wurden insgesamt 112 Fahrten organisiert. Allgemeine Zeitung

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Swen Weber (@news_vom_rhein)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

„Der kürzeste Weg in den Urlaub für Kopp, für Herz und Bauch“

Zwischen Rheingau und Mittelrhein gibt es keine klare Grenze, denn ab Rüdesheim geht beides ineinander über. Die einfache Regel ist: Je steiler das Gebirge desto mehr Mittelrhein. Für Welterbe-Fans lohnt sich darum die Rheingau-Folge von „Tobis Urlaubstip“ im Hessischen Rundfunk. TV-Reporter Tobi Kämmerer reservierte einen wesentlichen Teil der Sendezeit für Macher vom Mittelrhein. Er wanderte mit dem Rüdesheimer Tourismus-Profi Kai Climenti und dessen gut gekühlten „Walk-like-a-local“-Package im „Zauberberg“ oberhalb des Binger Lochs, ließ sich vom weitgereisten Lorcher Winzer Robert Wurm mit preisgekrönter Schwiegermutter-Paella bekochen und spielte zum Schluss noch mit der Rüdesheimer Band „Rheingau Vista Boys“ auf dem Turm der Ruine Rossel. Tobi Kämmerers Schlusswort lässt sich schwer widersprechen: Die Reise an den Rhein sei „der kürzeste Wege in den Urlaub für „Kopp, für Herz und Bauch“. Die Rhein-Reportage wurde im Hochsommer im 3. Programm ausgestrahlt und ist in der Mediathek verfügbar.  HR-Fernsehen

https://mittelrheingold.de/welterbe-weine-bei-norma-und-ein-neustart-fuer-die-loreley-touristik/

Lorcher Weinberge: Das Beste am Rheingau kommt zum Schluss. Foto: Weingut Robert Wurm

Das Wunder von Bingen

Noch vor wenigen Wochen sah es für Bingens Kämmerer Werner Pfeifer zappenduster aus. Der Finanzchef der Stadt musste mit tiefroten Zahlen und bösen Blicken der Aufsichtsbehörden rechnen. Jetzt ist der Haushalt wieder im Plus. Großzügige Corona-Hilfen des Bundes macht es möglich. Sie entschädigen Kommunen für weggebrochene Gewerbesteuer-Einnahmen. Bingen hat dabei mehr Glück als Verstand: Die Zuschüsse berechnen sich nach dem Steueraufkommen vor der Corona-Krise –  zu einer Zeit, als es in Bingen brummte wie noch nie. Dass der wichtigste Steuerzahlen Löwen Entertainment wegen hoher Investitionen danach ohnehin erst einmal ausgefallen wäre, spielt keine Rolle. Allgemeine Zeitung

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Reinhardt A. Hardtke (@reinhardt.hardtke)

Freitags kommt Mittelrheingold per Mail

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Mittelrhein statt nur dabei: Eine Ziege, ein Kohl und ein Wolf

Mittelrheingold-Kolumnist Christian Büning lebt seit vier Jahren im Welterbetal und will nicht wieder weg. Nur an eins kann er sich nicht gewöhnen:  den Rhein als Grenze zu akzeptieren. Eine Kolumne über Brücken, Fähren und Dinge der Unmöglichkeit. 

Christian Büning ist Kommunikationsdesigner, Wahl-Mittelrheiner und Kolumnist bei Mittelrheingold. Foto. Privat

Knobelaufgaben machen Spaß, vor allem diese hier: Du hast ein Boot, eine Ziege, einen Kohl und einen Wolf. Du kannst immer nur zwei mit ins Boot über den Fluss nehmen. Wie bekommst du alles ans andere Ufer, ohne dass die Ziege den Kohl oder der Wolf die Ziege frisst? Ein Klassiker. Dieses Quiz gibt es auch in echt. Jeden Tag am Mittelrhein. Das eigentliche Problem ist bei diesem Quiz allerdings nicht die Ziege, nicht der Kohl und nicht der Wolf, auch nicht das Boot. Das Problem ist der Fluss. 

Mittelrheiner kennen es nicht anders, alles orientiert sich zum Fluss, aber der Fluss trennt auch vieles. Wer den Rhein überquert, macht es nicht beiläufig wie an der Mosel, sondern mit Vorsatz und Handgepäck. Man fährt nicht einfach so rüber, dafür ist der Aufwand zu groß. Entweder viele Kilometer Umweg bis zur nächsten Brücke oder etwas Zeit einplanen für die nächste Fähre. 

Die 150 Meter bis zum anderen Rheinufer sind geografisch sehr nah, man könnte die Distanz auch gut zu Fuß zurücklegen. Wenn das Wasser nicht wäre und die Strömung, das macht es doch ein wenig unpraktisch. Der Rhein teilt eine Gegend in zwei Teile, die eigentlich zusammen gehört. Orte, die auf der anderen Rheinseite  nur drei Kilometer vom Rhein entfernt sind, sind mir so unbekannt wie die hintersten Dörfer in Ostwestfalen. Wahrscheinlich kann man sogar in den Heiratsstatistiken nachweisen, dass nicht über den Rhein geheiratet wird. Und das mitten in Europa. 

Über 80 Kilometer gibt es keine feste Rheinquerung. Wäre der Mittelrhein als Hindernis kein Fluss sondern eine Hügelkette, die im Weg stünde, man hätte längst Tunnel auf die andere Seite gebohrt oder Straßenzüge drüber planiert. Seit über 50 Jahren träumt die Politik am Mittelrhein stattdessen von einer Mittelrheinbrücke. Dann kam der Welterbestatus, der es deutlich schwieriger macht, massive Sichtbetonteile mitten in die Perspektive zu verbauen. Und leichtfertig verspielen will diesen Status auch keiner. 

Aber die Dinge laufen wie sie laufen und mit etwas Dussel wird in 20 oder 30 Jahren irgendwo eine Brücke über dem Mittelrhein stehen. Es wird dann noch weitere 20 oder 30 Jahre dauern, bis die beiden neu verbundenen Rheinseiten etwas zusammenwachsen und bis die Schere im Kopf sich schließt. Das sind noch viele Jahre und bis es soweit ist, schaut die eine Seite rüber auf die andere, die so wenig erreichbar ist wie eine Fähre, die gerade abgelegt hat. 

Apropos Fähre: Ohne sie ginge vieles nicht am Mittelrhein. Aber auch mit ihnen geht manches leider nicht. Essen gehen auf der anderen Seite geht, allerdings muss man die letzte Fahrt um 20 Uhr erwischen. Gut für Früh-Esser, aber schlecht für die Gastro, die gerne noch einen dritten Schoppen verkauft hätte. Einen Dienstplan im Schichtbetrieb auf der anderen Rheinseite vereinbaren wo man um sechs Uhr anfangen muss – keine Chance derzeit.

Die Fähren sind wichtig und gehören zum Mittelrhein unbedingt dazu. Die Gäste sehen die Fähren als kleine Entschleunigung und genießen die Überfahrt. Wer jeden Tag rüber muss, trommelt irgendwann mit den Fingern auf dem Lenker, weil es sich langsam anfühlt. Der Bedarf an Überfahrten ist am Mittelrhein höher als das Angebot sein kann. Das Rückrat, die wichtigste Infrastruktur der Region ist in privater Hand und arbeitet zudem noch unter wirtschaftlichem Druck. Das würde bei einer Straße niemand akzeptieren – am Mittelrhein ist es seit Jahrzehnten das Maximum von dem was möglich ist. Und das mitten in Europa. 

Das Rätsel vom Anfang ist übrigens einfach zu lösen. Wir haben Mittelrheinziegen auf der einen Rheinseite, den Wolf auf der anderen und Kohl sowieso überall. Und mit Kohl als Grundnahrungsmittel meine ich natürlich Riesling. Also Riesling haben wir auch überall. Bleibt also das Boot und der Fluss und die Rheinufer und wie wir hier am Mittelrhein weiter knobeln … 

Christian Büning ist Mittelrheiner mit innerdeutschem Migrationshintergrund: Der Kreative aus Münster lebt und arbeitet seit 2017 in Oberwesel. Dort führt er sein Designbüro „Büro Büning“, engagiert sich im Stadtrat und hilft bei vielen Initiativen im Welterbetal. Nebenbei saniert er alte Häuser und vermietet gemeinsam mit seinem (Ur-)Oberweseler Lebenspartner Marcel D’Avis gut eingerichtete Ferienwohnungen. Schreiben kann er auch noch. Seit 2021 ist regelmäßiger Kolumnist bei Mittelrheingold. Danke, Christian!

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Karl Latak (@fabuklix)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter „Mittelrheingold Auslese“ bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Seite 1 von 8

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: