Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Trechtingshausen Seite 3 von 22

Flut und Verwaltung

Im reichen Kreis Mainz-Bingen ist die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe zwar die schönste, aber auch die ärmste und vom Klimawandel besonders bedrohte. Eine Katastrophe wie im Ahrtal ist den Menschen zwischen Bacharach und Trechtingshausen bisher zwar erspart geblieben. Auch liegt das letzte große Rhein-Hochwasser schon Jahrzehnte zurück. Aber die Fluten in vermeintlich harmlosen Seitentälern haben 2016 Bürger und Verwaltung alarmiert. Starkregen ließ damals u. a. den kleinen Heimbach so extrem anschwellen, dass 2 Häuser in Oberheimbach später nur noch abgerissen werden konnten. In Trechtingshausen stieg ein ähnlich unscheinbares Gewässer plötzlich von 15 Zentimetern auf 4 Meter und überschwemmte Teile des Dorfes. Vergleichbare Geländeverhältnisse herrschen im Diebachtal zwischen Manubach und Rheindiebach und im Steeger Tal, wo der Münzbach hinab nach Bacharach fließt. Insgesamt gibt es in der Verbandsgemeinde 80 (!) Kilometer Bachlauf. Die Flutgefahr ist wie überall am Mittelrhein real, aber die Verwaltungsmühlen mahlen langsam. Laut „AZ“ hat die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe zwar schon 2017 ein Konzept in Auftrag gegeben, neuralgische Punkte identifiziert und Schutzmaßnahmen für den Ernstfall entwickeln lassen. Die praktische Umsetzung ist aber erst möglich, wenn die die übergeordneten Behörden zustimmen. Momentan lägen die Vorschläge noch zur „finalen Abnahme“ bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt an der Weinstraße und im Umweltministerium in Mainz, berichtet „AZ“-Reporter Julian Peters. Allgemeine Zeitung

Blick auf Bacharach am Rhein.

Blick auf Bacharach und die Mündung des Münzbachs. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Dienstmann und Dauerläufer

Apropos Rhein-Nahe: Im Vergleich zu Marathon-Bürgermeistern wie Walter Bersch (seit 1997 in Boppard) und Peter Labonte (seit 1998 in Lahnstein) könnte VG-Chef Karl Thorn beinahe als Novize durchgehen, denn er kam erst 2015 ins Amt. Trotzdem gibt es kaum einen Kommunalpolitiker mit so viel Verwaltungserfahrung auf dem Buckel. Thorn hat gerade sein 50-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Er fing 1971 als Verwaltungslehrling beim Kreis Mainz-Bingen an, bildete sich weiter, stieg in den gehobenen Dienst auf und wechselte 1987 als Büroleiter ins Bingerbrücker VG-Rathaus. Thorn wurde Verwaltungsinstitution und unentbehrlich. Bei der Bürgermeisterwahl 2014 trat er gegen seinen damaligen Chef Franz-Josef Riediger an und gewann mit deutlichem Vorsprung. Seit der Fusion der VG St. Goar-Oberwesel mit Emmelshausen ist er auf der linken Rheinseite der einzige Verbandsbürgermeister mit Sitz im Welterbetal.  Allgemeine Zeitung

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„Ich bin mir sicher, dass wir die B9 nicht mehr fluten“

Bei Starkregen gehört der Trechtingshäuser Steinbruch zu den kritischen Punkten am Mittelrhein. 2016 und 2018 lief die (Schlamm-)Brühe bis auf die Bundesstraße. Schweres Gerät war nötig, um die verstopfte Verkehrsader am linken Ufer wieder freizubekommen. Steinbruch-Chef Willem Douw hat seitdem buddeln und bauen lassen. Ein neu angelegtes Becken könnte im Extremfall bis zu 13 Millionen Liter Wasser aufnehmen, berichtet die „AZ“. Das Ablaufsystem hält Steine, Sand und Schlamm zurück. Douw glaubt, dass auch eine Sintflut wie am Ahrtal zu bewältigen wäre. O-Ton: „Ich bin mir sicher, dass wir die B9 nicht mehr fluten“. Allgemeine Zeitung

Der Trechtingshäuser Steinbruch von Lorch aus gesehen. Foto: Jessica Jullien

Gute Nacht in Assmannshausen

4 Brücken in 2 Wochen zu bauen, das klingt nach NATO-Manöver oder nach China. In Rüdesheim bedeutet es viel Lärm und hoher Zeitdruck. Ab 16. August stoppt dort der Bahnverkehr. Dann müssen 4 Bahnbrücken möglichst schnell erneuert werden. Gearbeitet wird auch am Wochenende und nachts. Besonders betroffen ist der Rüdesheimer Stadtteil Assmannshausen. Dort bietet die Bahn den Anwohnern zwar ruhigere Ausweichquartiere an, aber Hoteliers wie Birgit Berg von der „Alten Bauernschänke“ hilft das wenig: Die Entschädigung gibt es nur für sie, aber nicht für ihre Gäste. Die Assmannshäuser Wirte fürchten nach dem Lockdown die nächste Stornierungswelle, verärgerte Kunden und schlechte Internet-Bewertungen. Sie wollen mit einer Klage erreichen, dass wenigstens zwischen 22 und 7 Uhr Ruhe herrscht. Wiesbadener Kurier (Klage), Wiesbadener Kurier (Brückenbau)

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Rund 1.800 Besucher sind zur „Binger Sommernacht“ auf den Rochususberg gekommen, Sonntag noch nicht ganz eingerechnet. Das erste große Freiluft-Event seit dem Lockdown dauerte 5 Tage und verlief unter Corona-Bedingungen: Masken duften nur am Tisch abgenommen werden und Tanzen war nicht erlaubt. Dafür gab es Wein, Musik und größtenteils gutes Wetter. Allgemeine Zeitung, Binger Sommernacht

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Tiefergelegt in Rüdesheim und Picknick-Terror in Trexico

Kommenden Monat blickt die Unesco nach Rüdesheim, genauer gesagt auf die letzte deutsche Bundesstraße mit Bahnschranke. Bei der Sitzung des Welterbekomitees wird entschieden, wie das Verkehrsproblem gelöst werden kann. Vermutlich gibt es ein klares Votum gegen eine Überführung. Damit wären sich die Hüter der Welterbes mit den Rüdesheimern einig, denn eine monströse Bahn-Brücke will niemand – außer das Verkehrsministerium von Andi Scheuer, das damit Geld sparen könnte. Wenn die Unesco die Brücke ablehnt und stattdessen eine landschaftsschonende Unterführung fordert, wird der Bund vermutlich nachgeben. Wiesbadener Kurier

Seilbahn in Rüdesheim. Foto: RÜD Tourismus AG / Moritz Kertzscher

Seilbahn in Rüdesheim. Foto: RÜD Tourismus AG / Moritz Kertzscher

Feierbiester in Trexico

Nach den ersten heißen Wochenenden liegen in Trechtingshausen wieder die Nerven blank. Alle Versuche, das Strand- und Partychaos in diesem Jahr in den Griff zu bekommen, scheinen gescheitert. Die kleine Gemeinde kämpft wie 2020 mit Bergen von Müll. „Die Probleme sind jetzt schon so gravierend wie im August 2020“, schreibt „AZ“-Mann Jochen Werner. Trexico gilt seit einiger Zeit als „Geheimtipp“ für Picknick-Proleten aus dem Rhein-Main-Gebiet und dem Kreis Bad Kreuznach. Orts- und Verbandsgemeinde sind machtlos, weil der Uferbereich dem Bund gehört. Allgemeine Zeitung

Ein Hotel unterm Hammer

In Bad Salzig ist das marode „Rhein-Hotel“ unter den Hammer gekommen. Laut „Rhein-Zeitung“ wurde für den 4-geschossigen Altbau an der Uferpromenade deutlich mehr gezahlt als gedacht. Das Mindestgebot lag bei 250.000 Euro, der tatsächliche Kaufpreis bei 405.000 Euro zzgl. 7,14 Prozent Provision. Was aus dem früheren Vorzeige-Hotel wird, ist unklar. Der bisherige Eigentümer plante die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Rhein-Zeitung, Westdeutsche Grundstücksauktionen (Unterlagen mit Bildern)

Air Bambi in Biebernheim

Alexandra und Marko Weber gehen für Mittelrhein-Tiere zwar nicht selbst in die Luft, aber sie lassen eine Drohne fliegen. Ihre Initiative „Wildtierhilfe an der Loreley“ spürt mit Hilfe einer Wärmebildkamera Rehe und Hasen auf, bevor die Mähmaschine kommt. Rehkitze sind besonders gefährdet. Weil sie nach der Geburt noch keine Fluchtreflexe haben, laufen sie vor dem Lärm der Maschine nicht weg, sondern bleiben wie gebannt an Ort und Stelle. Im vergangenen Jahr konnten die Webers innerhalb von 4 Wochen132 Jungtiere ausmachen. Wer seine Wiese mähen will ohne Wildtiere zu gefährden: Auf der Website der Wildtierhilfe können Landwirte sogar Online-Termine buchen. Wildtierhilfe an der Loreley, Rhein-Zeitung

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