Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: April 2021 Seite 1 von 8

Modellregion statt Null-Tourismus: Was das Mittelrheintal von Eckernförde lernen kann

Urlaub mitten im Lockdown? Niedrige Inzidenzwerte, klare Ansagen, viele Tests und die Luca-App machen es in ausgewählten Modellregionen möglich. Mittelrhein-Gastbloggerin Marie-Luise Krompholz aus Bingen war gerade an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Im Interview erzählt sie, wie in Eckernförde und ein Stück weiter nördlich an der Schlei (bekannt aus dem ZDF-Klassiker „Der Landarzt“) Urlaub unter Corona-Bedingungen funktioniert. 

Tourismusmodell Eckernförde: Außengastronomie ist sogar ohne Schnelltest möglich. Foto: Privat.

Du hast gerade eine Woche Urlaub in der Tourismus-Modellregion Eckernförde gemacht. Wie war’s?

Mal was anderes sehen, Meerluft schnuppern, Verwandte im Norden besuchen – das tat gut. Ich bin mit leichtem Gepäck gereist, weil das Modellprojekt bei einem Anstieg der Inzidenz jederzeit abgebrochen werden kann. Aber nach knapp zwei Wochen sieht es nicht danach aus, die Inzidenz hier pendelt um die 50 und ist in den letzten Tagen sogar gesunken. Für die Vorsaison war ziemlich viel los, aber ich fühlte mich sicher, weil schon ab der Buchung alles gut organisiert war und ich wusste, was ich beachten muss.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen? 

Über die Tourist-Info hatte ich eine Ferienwohnung gebucht und mit der Bestätigung kam eine Gäste-Checkliste mit Pflichten, Empfehlungen und Antworten auf häufige Fragen. Da war alles klar beschrieben. Kurz vor Reiseantritt musste ich einen Corona-Schnelltest machen lassen, das war quasi die Eintrittskarte ins Urlaubsdomizil. Außerdem habe ich schon vorab die Luca-App installiert, darüber läuft in den meisten Betrieben die Kontaktdatenerfassung.

Vor Ort musste ich innerhalb von drei Tagen nochmals einen Schnelltest machen und dem Vermieter vorlegen. In der Stadt gibt es 13 Testmöglichkeiten, vom Testmobil am Strand über Teststationen in der Nähe von Restaurants bis zu Apotheken. Übers Internet und über Aushänge vor Ort kann man sich informieren, wer wann geöffnet hat und wo man einen Termin für die Testung benötigt. 

Welche Beschränkungen gibt es in Gastronomie und Einzelhandel?

Überall gelten natürlich die AHA-Regeln wie im Rest der Republik. Bei der Außengastronomie werden die Kontaktdaten mit der Luca-App erfasst, für die Innengastronomie benötigt man zusätzlich einen aktuellen negativen Schnelltest. Diese Regeln gelten für Touristen genauso wie für Einheimische. Beim Einzelhandel gibt es keine gesonderten Bestimmungen im Rahmen des Modellprojekts, hier zählt allein die Inzidenz. Fast alle Geschäfte haben geöffnet, die maximal erlaubte Kundenzahl und andere Auflagen hängen als Zettel an den Türen. Anfangs habe ich einmal vergessen, mich mit der Luca-App beim Verlassen wieder auszuchecken, dann habe ich meine App-Einstellungen so geändert, dass ich automatisch ausgecheckt werde. 

Wie hat sich das Stadtbild durch die Corona-Auflagen geändert?

Bis auf die vielen Zettel mit Corona-Hinweisen und die Klebestreifen für Ein- und Ausgänge ist es fast so wie in normalen Zeiten. Weil so viele Touristen kommen und das manchen Eckernförder Bürgern nicht ganz geheuer ist, wurde die Maskenpflicht im Lauf meiner Urlaubswoche verschärft, man musste dann tagsüber in der Innenstadt und auf der Strandpromenade eine Maske – norddeutsch Schnutenpulli – tragen. Interessanterweise waren die positiv Getesteten zu der Zeit nur Einheimische, es war mehr ein subjektives Empfinden. Aber dieses Nachsteuern bei den Vorgaben finde ich okay, das Modellprojekt kann ja nur ein Erfolg werden, wenn alle dazu stehen. Für die Strandfans hat man digital nachgelegt, Strandkörbe kann man jetzt auch über eine App buchen und muss nicht mehr an der Tourist-Info dafür anstehen.

Wie kommen Menschen ohne Handy mit all den Bestimmungen zurecht? 

Das könnte tatsächlich schwierig sein. Natürlich informieren die Lokalzeitungen und überall hängen Zettel mit einzelnen Hinweisen, aber es sind ja eine Menge Auflagen, und die können sich auch ändern. Da ist es schon viel einfacher, wenn man sich im Internet auf dem Laufenden hält. Die Luca-App spart allen Seiten zudem viel Papierkram und die Strandkorb-App finde ich superpraktisch.

Eine Hilfestellung für Besucher ohne Handy oder Computer sind die Info-Säulen, die an markanten Punkten in der Innenstadt und am Strand stehen. Auf dem interaktiven Display werden Ausflugs- und Veranstaltungstipps angezeigt, Werbung für Gastronomie-Betriebe gemacht und so weiter. Über den Touchscreen kann man auch Informationen zu Corona abrufen und wird dann auf die Corona-Info-Website der Stadt geführt.

Was kann das Mittelrheintal aus diesem Modellprojekt lernen?

Das Mittelrheintal bereitet sich ja auf den Re-Start des Tourismus vor und kann daher von den Erfahrungen in Modellprojekten profitieren. Eckernförde ist mit gut 22.000 Einwohnern fast so groß wie Bingen, die angrenzende Schlei-Region ist ländlich wie viele Teile des Tals und hat ein ähnliches Modellprojekt laufen. Was mir hier oben positiv aufgefallen ist, ist erstens das planvolle Vorgehen mit dem Einbeziehen vieler Bereiche und mit digitalen Lösungen. Zweitens die klare Kommunikation an Anbieter und Gäste, welches Verhalten von ihnen erwartet wird. Und drittens der Mut, etwas zu wagen und falls nötig an einzelnen Stellschrauben zu drehen. 

Ausführliche Infos zum Modellprojekt gibt es hier.

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Loreley-Hotel: Die Furcht vor Plan B

Was wird aus dem Gelände für das Loreley-Hotel? Ulrich Gerecke von der Zentralredaktion der Verlagsgruppe Rhein-Main („AZ“, „Wiesbadener Kurier“) entwirft ein mögliches Szenario: Nach der Absage des „Slow Down Loreley“-Projekts könnten die norddeutschen Investoren mit neuen Plänen um die Ecke kommen. Ihnen gehört nach wie vor das 28.000 Quadratmeter großen Areal auf der Gemarkung der Ortsgemeinde Bornich. Hartmut Fischer vom Rheinischen Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege befürchtet eine überdimensionale Ferienhaussiedlung, und Klaus Thomas, Sprecher der dramaverliebten Bürgerinitiative Rheinpassagen, spekuliert über mögliche Schadensersatzforderungen der Investoren an die öffentliche Hand. Sie hatten die Planungen vor rund 2 Wochen eingestellt, weil man sich nicht über Schallschutz und Erschließungskosten einig wurde. Die Unternehmen äußern sich dazu nicht. Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltung sehen „derzeit keine Anhaltspunkte für eventuelle juristische Auseinandersetzungen“, heißt es. Wiesbadener Kurier

Die Loreley mit Burg Katz im Vordergrund. Foto: Dominik Ketz / Romantischer Rhein Tourismus

Die Loreley mit Burg Katz im Vordergrund. Foto: Dominik Ketz / Romantischer Rhein Tourismus

Trexico rüstet für die Bade-Invasion

Im Corona-Sommer 2020 herrschte am Strand von Trechtighausen das blanke Chaos: Mangels Mallorca-Perspektive drängten unzählige Tagesausflügler ans Wasser, parkten den Ortskern zu und hinterließen Berge von Müll. Für die bevorstehende Saison befürchtet das Dorf eine ähnliche Invasion. Für Pfingsten sind darum Autosperren und verstärkte Polizeikontrollen am Leinpfad bis nach Bacharach geplant. Im Sommer will Ortsbürgermeister Herbert Palmes den alten Sportplatz zum Parken freigeben. Allgemeine Zeitung

Noch kein Theater in Lahnstein

Die Lahnsteiner Theatersaison verschiebt sich weiter. Laut „RZ“ hat das städtische Theater ein Stück abgesagt und ein weiteres verschoben. Um die Lahnsteiner Burgspiele (ab 3. Juni) wird noch gezittert. Das Open-Air-Festival soll in diesem Jahr zum 70. Mal stattfinden. Rhein-Zeitung, Lahnsteiner Burgspiele

Steeg hat 1 PS

Jochen Ratzenberger geht der Gaul durch: Der Steeger VDP-Winzer lässt seine neuen Querterrassen an der Burg Reichenstein und in der Rheindiebacher Lage Schloss Fürstenberg mit Hilfe eines Pferdes beackern. Der 14 Jahre alter Kaltblüter „Damiro“ schont den Boden und arbeitet garantiert ohne Diesel. Allgemeine Zeitung

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Bergbau mit Aussicht: Die Grube Rhein ist wieder gefragt

Momentan ist die Grube Rhein eher Industriedenkmal als Wirtschaftsbetrieb, aber im Sommer könnte Leben in die Bacharacher Bude kommen. Laut „AZ“ will Geschäftsführer Willem Douw am historischen Ort wieder Schiefermehl produzieren lassen – nicht aus Nostalgie, sondern wegen unerwartet hoher Nachfrage auf dem Weltmarkt. Douw, im Tal als Chef der Hartsteinwerke Sooneck bekannt, verwaltet die Grube quasi im Nebenjob für die Kölner Weusthoff-Gruppe. Sie besitzt das Bergwerk seit fast 100 Jahren und ließ dort bis 1968 klassischen Rheinschiefer abbauen. Zahllose alte Dächer im Tal sind noch heute mit echter Mittelrhein-Ware gedeckt. Man erkennt sie an der Farbe:  Rheinischer Dachschiefer ist heller als der heute verwendete aus Südeuropa. Als sich das Geschäft wegen der Konkurrenz aus Spanien und Portugal nicht mehr lohnte, spezialisierte sich die Grube Rhein auf Schiefermehl für die Bau- und Chemieindustrie. Das 1970 angeschaffte Mahlwerk war bis 2016 im Einsatz, dann wurde der Betreib heruntergefahren. Der letzte Mitarbeiter wechselte zum Sooneck-Steinbruch und ist seitdem Douws Allzweck-Experte für alles, was rund um die Grube zu tun ist. Der Schiefer-Profi soll die Mühle auch wieder anfahren. Douw selbst denkt schon über das aktuelle Comeback hinaus. Er bringt die Grube Rhein mit ihrem Verwaltungsgebäude als Standort für die Buga-GmbH ins Gespräch. Was dafür spräche: Die Anlage liegt ziemlich genau zwischen den nächsten Großstädten Mainz und Koblenz, exakt an der Grenze des Kreis Mainz-Bingen zum Rhein-Hunsrück-Kreis, in Blickweite des Rhein-Lahn-Kreises und auf Augenhöhe mit dem Welterbe-Wahrzeichen Pfalzgrafenstein. Allgemeine Zeitung

Die Grube Rhein (r.) liegt gegenüber von Kaub und der Pfalz. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Die Grube Rhein (r.) liegt gegenüber von Kaub und der Pfalz. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Kein Zug soll kommen

Apropos Schiefer: 7 Wochen nach dem Felsrutsch von Kestert sollen am 3. Mai an der Absturzstelle wieder Züge rollen. Der CDU-Fraktion im Rat der Verbandsgemeinde Loreley gefällt die Eile nicht. Sie will keinen Güterverkehr auf der Strecke, so lange die Bahn nicht das komplette Tal auf weitere mögliche Gefahrenstellen überprüft hat. Die Chancen dürften gering sein: Auf eine ähnliche Forderung von SPD-Bürgermeister Mike Weiland hat die Bahn bisher nicht reagiert. Geologen halten es für unwahrscheinlich, dass Erschütterungen durch schwere Güterzüge Erdrutsche auslösen können. Rhein-Zeitung

Über den Dächern von Bingen

Das neue Binger Designhotel „Papa Rhein“ ist wegen Corona noch geschlossen, aber wen ein Eindruck von der grandiosen Dachterrasse am Rheinufer interessiert: Ab Donnerstag 20 Uhr 15 ein Video der Band „Back at Mama’s“ auf dem städtischen YouTube-Kanal „Kulturstrom“ zu sehen. Der pandemiegerechte Freiluftauftritt auf der Panorama-Etage ist u. a. per Drohne gefilmt worden. Allgemeine Zeitung, Kulturstrom (YouTube-Channel)

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