Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Bingerbrück Seite 2 von 11

Flut und Verwaltung

Im reichen Kreis Mainz-Bingen ist die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe zwar die schönste, aber auch die ärmste und vom Klimawandel besonders bedrohte. Eine Katastrophe wie im Ahrtal ist den Menschen zwischen Bacharach und Trechtingshausen bisher zwar erspart geblieben. Auch liegt das letzte große Rhein-Hochwasser schon Jahrzehnte zurück. Aber die Fluten in vermeintlich harmlosen Seitentälern haben 2016 Bürger und Verwaltung alarmiert. Starkregen ließ damals u. a. den kleinen Heimbach so extrem anschwellen, dass 2 Häuser in Oberheimbach später nur noch abgerissen werden konnten. In Trechtingshausen stieg ein ähnlich unscheinbares Gewässer plötzlich von 15 Zentimetern auf 4 Meter und überschwemmte Teile des Dorfes. Vergleichbare Geländeverhältnisse herrschen im Diebachtal zwischen Manubach und Rheindiebach und im Steeger Tal, wo der Münzbach hinab nach Bacharach fließt. Insgesamt gibt es in der Verbandsgemeinde 80 (!) Kilometer Bachlauf. Die Flutgefahr ist wie überall am Mittelrhein real, aber die Verwaltungsmühlen mahlen langsam. Laut „AZ“ hat die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe zwar schon 2017 ein Konzept in Auftrag gegeben, neuralgische Punkte identifiziert und Schutzmaßnahmen für den Ernstfall entwickeln lassen. Die praktische Umsetzung ist aber erst möglich, wenn die die übergeordneten Behörden zustimmen. Momentan lägen die Vorschläge noch zur „finalen Abnahme“ bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt an der Weinstraße und im Umweltministerium in Mainz, berichtet „AZ“-Reporter Julian Peters. Allgemeine Zeitung

Blick auf Bacharach am Rhein.

Blick auf Bacharach und die Mündung des Münzbachs. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Dienstmann und Dauerläufer

Apropos Rhein-Nahe: Im Vergleich zu Marathon-Bürgermeistern wie Walter Bersch (seit 1997 in Boppard) und Peter Labonte (seit 1998 in Lahnstein) könnte VG-Chef Karl Thorn beinahe als Novize durchgehen, denn er kam erst 2015 ins Amt. Trotzdem gibt es kaum einen Kommunalpolitiker mit so viel Verwaltungserfahrung auf dem Buckel. Thorn hat gerade sein 50-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Er fing 1971 als Verwaltungslehrling beim Kreis Mainz-Bingen an, bildete sich weiter, stieg in den gehobenen Dienst auf und wechselte 1987 als Büroleiter ins Bingerbrücker VG-Rathaus. Thorn wurde Verwaltungsinstitution und unentbehrlich. Bei der Bürgermeisterwahl 2014 trat er gegen seinen damaligen Chef Franz-Josef Riediger an und gewann mit deutlichem Vorsprung. Seit der Fusion der VG St. Goar-Oberwesel mit Emmelshausen ist er auf der linken Rheinseite der einzige Verbandsbürgermeister mit Sitz im Welterbetal.  Allgemeine Zeitung

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Das teuerste Grundstück von Rüdesheim

Der frühere Rüdesheimer CDU-Chef Anton Mosler macht das Geschäft seines Lebens: Laut „Wiesbadener Kurier“ hat er der Stadt vor über 20 Jahren die alte Stadtwaage mit 160 Quadratmeter Grund abgekauft – für 150.000 DM. Mosler betrieb dort einen Schnellimbiss. Jetzt kauft die Stadt die Parzelle für 200.000 zurück – Euro natürlich, nicht DM. Schätzungen zufolge ist das Grundstück deutlich weniger wert. Die Stadtverordneten wissen das und knirschen mit dem Zähnen, aber die schrebergartengroße Fläche könnte irgendwann für einen neuen Bahnhof wichtig werden. Mosler hat nach eigenen Angaben einen privaten Käufer aufgetan, der 200.000 zahlen will. Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen und denselben Preis auf den Tisch zu legen. Besonders ärgerlich für die Kommune: Die Stadt kann für den Deal zwar Zuschüsse abrufen, aber die richten sich nicht nach dem Kaufpreis, sondern nach dem tatsächlichen Grundstückswert. CDU-Stadtrat Maximilian Bathke taxiert die Mini-Immobilie auf höchstens 50.000 Euro. Wiesbadener Kurier

Kirchenkrise in Bingerbrück

Bingen ist der einzige Ort am Mittelrhein, den sich gleich 2 katholische Bistümer teilen. Die City und die Stadtteile östlich der Nahe gehören zur Diözese Mainz, Bingerbrück dagegen zu Trier. Gut zu sprechen ist man gerade auf keines der beiden Bistümer. Mainz will die Binger Hildegardisschule loswerden und drückt bei den Kitas auf die Kosten. Trier zieht die Pfarrer der so genannten „Pfarrgemeinschaft Rupertsberg“ ab, damit ist Bingerbrück ohne Geistliche. Wegen des chronischen Pfarrermangels in der katholischen Kirche ist fraglich, ob und wann Ersatz kommt. Allgemeine Zeitung

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Der Sanierungsfall auf der Loreley und eine Zeitreise ins Jahr 1817

Was auf der Loreley vor einigen Jahren abgerissen wurde, war architektonisch entbehrlich. Die Neugestaltung des Plateaus überlebte nur das frühere Turnerheim, ein zweigeschossiger Bau aus den 20ern im Stil einer Landvilla. Das pittoreske Gebäude sollte eigentlich erhalten werden, aber die Sanierung scheint aus dem Ruder zu laufen. Laut „RZ“ waren 2,9 Millionen Euro für den Umbau zum Restaurant veranschlagt. Jetzt werden es mindestens 3,1 Millionen – aber auch nur, wenn die Wunschliste abgespeckt wird und keine unangenehmen Altbau-Überraschungen auftreten. Verbandsbürgermeister Mike Weiland denkt bereits über eine radikale Lösung nach: Abbruch und Neubau für geschätzte 3,5 Millionen. Als Pächter ist seit 2018 Mittelrhein-Multi-Gastronom Muzaffer Oguz vorgesehen. Er bewirtschaftet auf der Loreley bereits das Bistro im Besucherzentrum und das Forsthaus Heiliggkreuz im Binger Wald. Oguz soll noch an mindestens einer weiteren 1a-Lage im Welterbe-Tal interessiert sein. Rhein-Zeitung, Mittelrheingold (über Oguz‘ Einstieg auf der Loreley, November 2018)

Neugestaltung des Loreley-Plateaus 2018. Foto: Ministerium des Inneren RLP.

Neugestaltung des Loreley-Plateaus 2018. Foto: Ministerium des Inneren RLP.

Eine Zeitreise ins Jahr 1817

Das Turnerheim auf der Loreley hat rein gar nichts mit dem englischen Maler zu tun, aber der Übergang ist so schlecht, dass man ihn nicht ignorieren kann. Also: Apropos Turnerheim. In der „FAZ“ schreibt Feuilletonistin Ursula Scheer über William Turners legendäre Rheinreise 1817. Im Artikel ist auch von der touristischen Turner-Route der Gegenwart die Rede. Der Zweckverband Welterbe hat Turners damalige Perspektiven rekonstruiert und ergänzt die Aussicht des Jahres 2021 mit digitalen Informationen über den Meister und sein Werk. Frankfurter Allgemeine Zeitung, turner-route.de

Bingerbrück sehen und parken

Nach der Pandemie kommt die große Pendelei zurück. Am Binger Hauptbahnhof entsteht gerade ein Park-&-Ride-Parkplatz für 178 Autos. Im Herbst soll er fertig sein. Laut „AZ“ kostet die Jahreskarte rund 50 Euro Die Anlage für rund 2,5 Millionen Euro soll das Wild-West-Parken in Bingerbrück beenden. Allgemeine Zeitung

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