Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: Oktober 2021 Seite 1 von 6

Die Neuen am Mittelrhein

Der urbane Immobilienwahnsinn ist für das ländliche Mittelrheintal eine Chance. In Orten wie Bacharach, Kaub oder St. Goarshausen gingen die Einwohnerzahlen jahrzehntelang zurück, Grundstückspreise verfielen und Häuser blieben leer. Das ändert sich gerade. Großstädter verlassen die unbezahlbar gewordenen Ballungsgebiete und entdecken das Leben im Grünen. Ausgerechnet die oft verwünschte Bahn wird zum Standortvorteil. Trotz aller Tücken ist die Anbindung nach Mainz, Wiesbaden oder Koblenz gut, Pendler brauchen eine halbe Stunde in die nächste Großstadt. Es klappt auch mit der Willkommenskultur: In der „AZ“ berichtet Jochen Werner über die freundliche Aufnahme durch die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe. VG-Chef Karl Thorn begrüßte gerade Neubürger Die Oppenhäusers aus Mainz haben sich mit 2 Kindern in Bacharach niedergelassen und ein Paar aus Wiesbaden zog nach Trechtingshausen.  Allgemeine Zeitung

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Die Bahn macht’s ein bisschen leiser

Apropos Bahn. Laut „Wiesbadener Kurier“ hat sie auf über 50  Kilometern im Tal so genannte „Schienenstegdämpfer“ installieren lassen. Die Geräte reduzieren Schwingen am Gleis und damit den Schall. Außerdem können 2023 erste Lärmschutzwände gebaut werden. Die Bahn strengt sich auch bei der Öffentlichkeitsarbeit an: Für die „Lärmsanierung“ (O-Ton) im Mittelrheintal hat der Konzern eine eigene Internetseite eingerichtet. Wiesbadener Kurier, Leiseres Mittelrheintal (Bahn-Website)

Die Klosterretter von Rüdesheim

Die Benediktinnerinnenabtei St. Hildegard hoch über Rüdesheim kennt jeder, aber in der Stadt gibt es noch ein zweites, kleineres und ungewöhnlicheres Kloster: Nothgottes. Das Besondere daran: Die Ordensmänner stammen nicht aus dem Taunus, dem Westerwald oder dem Rheintal, sondern aus Vietnam. Ohne die Katholiken aus Fernost wäre der Klosterbetrieb nicht mehr möglich. Lena Walbrunn von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat Nothgottes besucht u. a. mit Pater Anselm gesprochen, der mit vollem Namen „Anselm Tran Cong Luan“ heißt. Frankfurt Allgemeine

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Tristan Storek (@_tristan.s_)

Mittelrheingold Auslese: Hier gibt’s den Newsletter

Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

St. Goar könnte eine Super Nanny gebrauchen und Trexico eine Strandpolizei

Eigentlich sorgte der SPD-Triumph 2019 in St. Goar für klare Verhältnisse. Die CDU ging damals bei der Kommunalwahl unter, ihr Bürgermeister wurde abgewählt und SPD-Mann Falko Hönisch übernahm das Ruder. Trotzdem bleibt das Verhältnis zwischen den beiden Parteien schwierig. Mittlerweile ist es eine St. Goarer Spezialität, auch aus kleinen Meinungsverschiedenheiten große Gegensätze zu machen. Beide Seiten schenken sich nichts. Aktuelles Beispiel ist eine spontane Städtepartnerschaft mit der Ortsgemeinde Kordel bei Trier, eine Projekt des SPD-Bürgermeisters. Kordel stand während der Flutkatastrophe im Juli unter Wasser, die Kooperation mit St. Goar soll ein Zeichen für gegenseitige Hilfe setzen. Im Stadtrat geht so etwas nicht ohne Eklat ab. Die CDU fühlte sich mit der schnellen Entscheidung überfordert, die SPD konnte als Partei der guten Tat auftrumpfen, die Diskussion wurde grundsätzlich und ein bisschen persönlich, niemand differenzierte mehr und am Ende gab es nur wie immer nur Freund oder Feind. Ein Zeitungskommentar von „RZ“-Reporter Philipp Lauer goss kurz darauf noch Öl ins Feuer. Lauer stellt sich nicht nur auf die Seite des Bürgermeisters und der SPD (was in einem Meinungsformat absolut legitim ist), sondern surft mit auf der Empörungswelle. Im Artikel nennt er die CDU „peinlich“, zweifelte an ihrem „Anstand“ und diagnostiziert Schaden an „der Stadt und ihren Bürgern.“ Rhein-Zeitung

Rhein bei St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Rhein bei St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Trechtingshausen braucht eine Strandpolizei

Anders als in St. Goar diskutiert man in Trechtingshausen über wirkliche Probleme. Die Kommune leidet an warmen Sommerwochenenden an Brachial-Ausflüglern, die das Dorf zuparken, den kleinen Strand zumüllen und noch einiges mehr hinterlassen. 2022 dürfte es so weitergehen. Eine Einwohnerversammlung brachte wenig Hoffnung auf bessere Zeiten. Polizei, Verbandsgemeindeverwaltung und Wasser- und Schifffahrtsamt fehlt dass Personal, um ständig vor Ort zu patrouillieren. Allgemeine Zeitung

Wo Fuchs und Binger sich gute Nacht sagen

Nicht ganz so nervig wie die Rheinstrand-Rüpel aber ähnlich umstritten sind Füchse, die sich in Gärten am Binger Rochusberg trauen. In der Stadt herrscht Aufregung, weil die Tiere gefährliche Bandwürmer einschleppen können. Laut „AZ“ ist das Risiko allerdings minimal, solange Menschen übliche Hygienregeln beachten. Der Binger Christopher Lutterbach hat sich an seinen Fuchs im Garten gewöhnt und macht Fotos von ihm. Allgemeine Zeitung

Hallo Nachbar

Jürgen Johann aus Boppard kämpft dafür, dass die historischen Nachbarschaften im Mittelheintal als immaterielles Kulturerbe der Unesco anerkannt werden. Die Mainzer Universität und der Zweckverband Welterbe unterstützen ihn. Wer sich über den Stand der Dinge informieren will: Am 5. November treffen sich Vertreter aller Mittelrhein-Nachbarschaften in Boppard. Nicole Schuh vom Zweckverband freut sich über Anmeldungen. Zweckverband Welterbe

Foto des Tages

Mittelrheingold Auslese: Hier gibt’s den Newsletter

Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

 

Welterbe-Akademie: Der Mittelrhein macht Schule

Wo werbe ich am besten für mein Lokal oder meinen Laden? Wie baue ich einen Online-Shop auf? Was muss ich wissen, wenn ich eine Ferienwohnung vermieten möchte und wie richte ich sie ein? Wo lerne ich, gute Fotos für Instagram zu machen? Fragen wie diese beantwortet in den kommenden Jahren die „Welterbe-Akademie“, ein Projekt der Touristikgemeinschaft Tal der Loreley. Es wird eine Art Volkshochschule für engagierte Mittelrheiner. Wie das funktioniert und wer das Programm zusammenstellt, erklären Tal-der-Loreley-Chefin Claudia Schwarz und ihr Mit-Macher Guido Hönig von der Regionalagentur Romantischer Rhein*.

Claudia Schwarz und Guido Hönig schieben die Welterbe-Akademie an. Claudia Schwarz und Guido Hönig schieben die Welterbe-Akademie an. Foto: Privat

Kommende Woche stellt ihr in Lahnstein die „Welterbe-Akademie“ vor. Was ist das?

Das ist ein tolles Leader-Projekt zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Region. Wir alle wissen, dass es für das Tal viele Herausforderungen und Chancen gibt, auf dem Weg zur Buga 2029 und natürlich auch darüber hinaus, denn danach soll es ja auch noch weitergehen. Wir möchten die bisherigen Qualifizierungsmaßnahmen aufgreifen und in einem partizipativen Prozess weitere Aktionen und Angebote entwickeln.

Wer wird die „Welterbe-Akademie“ leiten?

Es ist eine virtuelle Akademie. Die Projektleitung hat die Touristikgemeinschaft Tal der Loreley, aber die Entscheidung, was in dieser Welterbe-Akademie gelehrt wird, das ist Aufgabe aller Teilnehmenden.

Und wer unterrichtet?

Bei der Auftaktveranstaltung gibt es zwei spannende Impulsvorträge. Anschließend werden wir in Arbeitsgruppen diskutieren und überlegen, welche Themen die Folgeveranstaltungen zum Inhalt haben sollten. Z. B. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Kommunikation, Regionalität, Marketing, Angebotsentwicklung, oder auch praktische Workshops. Und dementsprechend werden dann die zukünftigen Referentinnen und Referenten ausgewählt.

Ihr seid beide Tourismus-Profis. Wird sich die Akademie auf Tourismus konzentrieren oder gibt es weitere Entwicklungsangebote z. B. für den lokalen Einzelhandel?

Das Tal lebt von und mit allen Akteuren, Dienstleistern, Kulturschaffenden, den Bewohnerinnen und Bewohnern usw. Wir möchten alle erreichen und zur Teilnahme auffordern. Deshalb haben wir auch die verschiedenen Gruppen eingeladen.

Wie finanziert sich das alles?

Wir erhalten eine Förderung durch Leader; den nötigen Eigenanteil übernimmt die Touristikgemeinschaft Tal der Loreley. Die Teilnahme an den Workshops ist kostenlos.

Bei welchem Thema hat das Tal den größten Nachholbedarf?

Das ist eine schwierige Frage, es gibt sehr viel zu tun! Wir denken, dass das Zusammenwirken, die Kooperationen und das Netzwerken der verschiedenen Partner uns wichtige Impulse geben wird und wir in der Auftaktveranstaltung erste Ideen und Aufgaben definieren, die wir dann umsetzen werden.

Wann wird die Welterbe-Akademie überflüssig?

Lernen, Weiterbildung, Weiterentwickelung und Qualitätssicherung werden niemals überflüssig.

* Weil man es leicht durcheinander bringt: Der „Romantische Rhein“ ist für das gesamte Mittelrheintal bis Remagen und Unkel zuständig. Die „Touristikgemeinschaft Tal der Loreley“ kümmert sich speziell um das Welterbe-Tal. Sie ist nicht mit der der neuen Loreley Touristik GmbH zu verwechseln, die innerhalb der Verbandsgemeinde Loreley und den Felsen selbst arbeitet. 

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Peter Ginzel (@bopparder)

Mittelrheingold Auslese: Hier gibt’s den Newsletter

Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Seite 1 von 6

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: