Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: Januar 2021 Seite 1 von 7

Arbeitsplätze in Kaub und Mutmacher-Interviews aus Bingen

Was macht man mit einer Ferienwohnung, die man nicht an Touristen vermieten darf? Die Urlaubsunterkunft als Arbeitsplatz anbieten. Dirk Melzer, Landschaftsarchitekt mit Büro in Köln mit Nebenwohnsitz in der alten Heimat Kaub, hat sich das O.K. der Kreisverwaltung geholt: Er darf seine 2 Kauber Ferienwohnungen an Menschen vermieten, die sich in Kreativ-Klausur zurückziehen und ungestört arbeiten wollen. Das Angebot richtet sich an alle, die „Ruhe und Abgeschiedenheit und Schönheit für ihre Steuererklärung, ihre Doktorarbeit, ihre Biographie, ihre neue Komposition oder was auch immer brauchen“. Der Standort sei perfekt, schwärmt Melzer auf Facebook: „In Kaub ist die Grundversorgung optimal gesichert. Unser perfekt ausgestatteter Tante-Marion-Laden hat wie immer geöffnet und ist in 5 Minuten zu Fuß erreichbar. Bei Edgar und Willy im Gasthof Deutsches Haus (50 m geradeaus) gibt es leckere Speisen to go und für den Feierabendbelohnungstropfen haben die fünf Kauber Winzer ausreichend hervorragenden Wein eingelagert.“ Auch anderswo im Tal gibt es Unterkünfte für nichttouristische Reisen. In Oberwesel etwa bieten mehrere Gastgeber Betten für Patienten der neuen Tageklinik an. Für die Touristik-Branche insgesamt ist es aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Facebook

Platz ist in der schönsten Hütte: Home Office in Kaub.

Mutmacher-Interviews aus Bingen

Marie-Luise Krompholz stammt aus der Nähe von Marburg und hat in Bingen ihre Wahlheimat gefunden. Hauptberuflich arbeitet die Public-Relations-Expertin seit vielen Jahren in der Arzneimittel-Branche, ehrenamtlich engagiert sie sich u. a. im Förderverein der Burg Rheinstein. In den kommenden Wochen möchte sie Menschen im Tal nach ihren persönlichen Erfahrungen in der Corona-Krise befragen. Die Interview-Serie erscheint auf Mittelrheingold. Warum sie das Thema beschäftigt und wie es angehen möchte, erklärt sie hier:

Marie-Luise Krompholz lebt in Bingen. Foto: Privat.

 Was hat dich auf die Idee gebracht?

Wir alle leben jetzt seit fast einem Jahr im Ausnahmezustand und heute ist noch nicht absehbar, wann dieser endlich vorbei ist und wir wieder unbeschwerter leben können. Das zerrt an den Nerven und bei den vielen negativen Nachrichten muss man aufpassen, die positiven Dinge nicht zu übersehen. Und dann gibt es ja noch den Spruch, dass jede Krise auch eine Chance ist … 

Seit einigen Jahren wohne ich in Bingen und halte mich auch über deinen Blog auf dem Laufenden, was sich im Mittelrheintal tut. Du machst ja von Zeit zu Zeit Interviews mit Persönlichkeiten aus dem Tal. Da kam mir die Idee, dass man ähnliche Interviews auch mit Bezug zu Corona machen könnte und ich habe dich dazu angeschrieben. Ich freue mich sehr, dass dir mein Vorschlag gefallen hat und ich deinen Blog in den nächsten Wochen mit einer kleinen Interview-Serie unterstützen darf!

Wie wählst du deine Gesprächspartner aus?

Meine Gesprächspartner werden eine kunterbunte Mischung: Jüngere und Ältere, Frauen und Männer, Etablierte und Newcomer. Sie alle eint, dass sie hier im Tal aktiv sind, den Kopf nicht in den Sand stecken sondern Zukunft mitgestalten wollen. Und es sind Leute, die von dir bisher noch nicht interviewt wurden.

So wie jeder von uns seine eigene Corona-Geschichte hat, hat auch jeder meiner Interviewpartner unterschiedliche Erfahrungen und Ansätze, mit dieser Herausforderung umzugehen. Das möchte ich herausfinden und vielleicht auch noch die eine oder andere Inspiration mitbringen.

Der wirtschaftliche Schaden für Händler und Gastronomen ist kaum absehbar. Wie schätzt du die Lage ein?

Das ist in vielen Fällen wirklich ein Drama, für die Unternehmer, für die Beschäftigten und letztlich auch für die Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern. Einige Branchen müssen besonders viel von der wirtschaftlichen Last der Corona-Krise schultern und ich hoffe, dass auch die kleinen Geschäfte eine faire staatliche Unterstützung erhalten. Denn gerade die lokalen Händler und Restaurants machen unsere Orte besonders, sind ein Treffpunkt für die Einheimischen und ein Pluspunkt bei Touristen. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, wieder einmal bummeln zu gehen oder in einem Restaurant lecker bekocht zu werden.

Wie hat sich dein eigenes Leben durch Corona geändert?

Im März 2020 ging es ins Mobile Office und ich war viel zuhause. Ganz praktisch ist seither Kochen statt Kantine angesagt, seit dem zweiten Lockdown kochen mein Mann und ich uns durch die Küchen dieser Welt. Auch die Umgebung habe ich durch meine Radtouren noch besser kennengelernt. Wir wohnen hier schon echt schön und es gibt viele tolle Ausflugsziele in der Region!

Durch Corona ist mir sehr bewusst geworden, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. Es war wunderbar, als ich mich nach dem ersten Lockdown endlich wieder mit mehreren Freunden treffen und die weiter entfernt lebende Familie besuchen konnte. Zum Glück ermöglicht die Digitalisierung, dass wir uns jetzt immerhin per Videochat sehen können. Und zum Glück ist bisher niemand aus meinem Umfeld schwer an Covid-19 erkrankt.

Insgesamt habe ich vieles, was vorher selbstverständlich war, mehr zu schätzen gelernt. Dieses Freuen an kleinen Dingen und alltäglichen Begegnungen möchte ich mir auch nach Corona beibehalten.

Du hast viel Berufserfahrung im Pharma-Bereich und bei der Kommunikation von Gesundheitsthemen gesammelt. Corona ist das größte Gesundheitsthema des Jahrzehnts, vielleicht des Jahrhunderts. Wie beurteilst du die Corona-Kommunikation in Politik und Medien? 

In der ersten Phase war die Kommunikation gut und fast wie aus dem Lehrbuch. Je länger die Krise dauert, desto mehr zerfasert die Kommunikation, die handelnden Politiker geraten in der Defensive und das Vertrauen schwindet. Die Strategie des „Entscheiden und dann erklären“ funktioniert nicht mehr und auch nicht mehr der grundsätzlich richtige Ansatz, glaubwürdige Experten in die Kommunikation einzubeziehen. Nach der Krise wird man auch bei der Kommunikation einiges aufarbeiten müssen, um für die Zukunft daraus zu lernen.

Was aktuell helfen könnte, das Verständnis für die Beschränkungen zu stärken, wäre mehr Transparenz, auf welcher Grundlage die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden und warum andere Optionen nicht zum Zug kommen. Ich wünsche mir außerdem eine zentrale Website der Regierung mit leicht verständlichen und gut aufbereiteten Informationen, auf der „Otto Normalbürger“ die wichtigsten Informationen zu Corona und zu den Impfungen findet. Und Experten, die nicht nur Virologen sind, sondern unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in ihrem Lebensumfeld erreichen.

Ganz besonders wichtig finde ich, dass Medien und Politiker weniger nach Schuldigen und Skandalen suchen und daraus kurzfristiges Wahlkampfgetöse oder aufgeregte Medienhypes (für mehr Klicks ergo Werbeeinnahmen) machen. Corona und seine Auswirkungen sind so komplex, dass eigentlich alle Energien für die Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen benötigt werden.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Aus Mainz kommt der weltweit erste Impfstoff. Wer hätte vor einem Jahr darauf gewettet, dass Forscher in Deutschland so etwas zustande bringen? Auf diese grandiose Leistung könnten wir etwas stolzer sein und es sollte uns Mut machen: Wir schaffen das. 

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Eheprobleme in Rüdesheim und Digitaloffensive in Bingen

Heiraten in Rüdesheim kann eine Herausforderung sein. Weil das Standesamt chronisch überlastet ist, mussten in den vergangenen Jahren Dutzende von Anfragen abgelehnt werden. Jetzt verhandelt Bürgermeister Klaus Zapp mit den Stadtverordneten über mehr Personal. Als Vorbild gilt Eltville: Dort wirbt die Stadt auf Ihrer Website für Trauungen u. a. in der kurfürstlichen Burg und bringt auf diese Weise rund 300 Paare pro Jahr unter die Haube. In Rüdesheim sind es nur ca. 65. Eine hohe Heiratsquote machen sich für Kommunen bezahlt, weil Hochzeitgesellschaften gerne viel Geld im Ort lassen. Wiesbadener Kurier

Seilbahn in Rüdesheim. Foto: RÜD Tourismus AG / Moritz Kertzscher

Seilbahn in Rüdesheim. Foto: RÜD Tourismus AG / Moritz Kertzscher

BIN digital

Während man sich in Boppard noch um digitale oder analoge Stadtratssitzungen streitet, investiert Bingen in die vernetzte Zukunft. Das Kommunalparlament kann per Video-Konferenz tagen, für die Schulen sind 900 Tablets geordert und in die Verwaltungs-IT fließen satte sechsstellige Summen. „Alle Schulen sind auf dem top-modernsten Stand“, zitiert die „AZ“ Bingens 1. Beigeordneten und inoffiziellen Digitalchef Sebastian Hamann. Das größte Problem sind verzögerte Hardware-Lieferungen, weil Computerhersteller kaum der Nachfrage hinterherkommen. Allgemeine Zeitung

Teurer die Glocken nie klingen

Der Kirchturmstreit von Assmannshausen hat es in die „FAZ“ geschafft. Oliver Bock, der Rheingau-Experte der Redaktion, erklärt das Dilemma: Die Stadt Rüdesheim muss als Rechtsnachfolger der ehemals eigenständigen Gemeinde Assmannshausen immer noch für eine Vereinbarung aus dem Jahr 1903 zahlen. Die Assmannshäuser verpflichteten sich damals zum Unterhalt des Kirchturms, weil sie die Glocken für Bekanntmachungen und andere Ereignisse nutzen wollten. Der Deal aus der Kaiserzeit erwies sich für das katholische Bistum Limburg als kleiner Lottogewinn: Heute muss keine Kommune mehr bimmeln lassen, die Kosten für den Turm aber bleiben. Nach längeren Streitigkeiten läuft nun alles auf einen Vergleich hinaus. Rüdesheim könnte eine auf 20 Jahre gestreckte Ablösesumme zahlen und wäre den Kirchturm endgültig los. FAZ.NET

Boppards erste internationale Kita

Mehrsprachige Kindertagesstätten vermutet man eher in München-Schwabing als in Boppard-Buchholz, aber eine Initiative des dortigen Software-Unternehmers Marco Ehrhardt macht es auch am Mittelrhein möglich. Der Chef von Ehrhardt + Partner (EPG) will eine Einrichtung für 90 Kinder bauen lassen. Dort wird – je nach Gruppe – neben Deutsch auch Englisch oder Spanisch gesprochen. EPG übernimmt den Großteil der Kosten. Das Angebot soll aber nicht nur Kindern der Mitarbeiter offenstehen. Laut „RZ“ will sich auch die Stadt Boppard beteiligen. Rhein-Zeitung

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Der Tanker für die trockenen Jahre

Die Zukunft der Rheinschifffahrt misst 135 Meter. So lang ist der geplante Tanker des BASF-Konzerns, der auch mit extremem Niedrigwasser zurechtkommen soll. Laut Branchendienst „MM Logistik“ kann er Kaub selbst bei einem Pegelstand von 30 Zentimetern mit 650 Tonnen Ladung passieren. Die Fahrrinne selbst ist dann ca. 1,60 Meter tief. Bei mittlerem Niedrigwasser schafft er sogar 2500 Tonnen Ladung und damit doppelt so viel wie konventionelle Binnenschiffe. Die BASF ließ den neuen High-Tech-Frachter nach den Erfahrungen des Dürrejahrs 2018 konstruieren. Er soll Ende 2022 mit einem hybriden Antriebssystem aus Elektro- und Dieselmotoren in Betrieb gehen. Trotz des geringeren Tiefgangs wird der Tanker deutlich größer als heute auf dem Rhein üblich. Vergleichbare Schiffe sind etwa 110 Meter lang, und ein Oldie wie der TV-Frachter „MS Franziska“ (Baujahr 1902) kam nur auf 80 Meter. MM Logistik

Rheinschiffe bei Oberwesel. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Rheinschiffe bei Oberwesel. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Der November-Lockdown in Zahlen

Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz hat den Tourismus-Kollaps im November dokumentiert. Im Rheintal sank die Zahl der Übernachtungen gegenüber Vorjahr um 77,2 Prozent und es kamen rund 86 Prozent weniger Gäste. Unter „Rheintal“ verstehen die Statistiker den rheinland-pfälzischen Mittelrhein bis zur Landesgrenze bis Remagen. Die Stadt Bingen (Rheinhessen) und die hessischen Welterbe-Kommunen Rüdesheim und Lorch werden dabei nicht mitgezählt. Statistisches Landesamt

Germania Wings in Rüdesheim

Das Niederwalddenkmal macht selbst in der dunklen Jahreszeit eine gute Figur. Das zeigt ein winterliches Drohnen-Video von Christoph Meffert, das meine hessische Blogger-Kollegin „Rheingauprinzessin“ Tanja Werle empfiehlt. Rheingauprinzessin, YouTube

 

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