Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Blick auf Bacharach. Foto: Henry Tornow

Monat: Dezember 2018 Seite 1 von 15

In Boppard endet eine Ära und in Bingen schäumt es

Das Bopparder Familienunternehmen Hebel Linie ist ab Mitternacht Geschichte. Inhaber Joachim Noll hat die traditionsreiche Reederei an den Marktführer Köln-Düsseldorfer verkauft. „In bessere Hände hätte ich unsere Kunden nicht geben können. Jetzt kann ich mich ganz beruhigt zur Ruhe setzen“, erklärt Noll in einer Pressemitteilung. Sein Urgroßvater Philipp Hebel hatte den Betrieb 1891 gegründet. Mit seiner Tochter Susanne Pander war bereits die 5. Generation an Bord. Nach dem Verkauf der „MS Rheinfels“ vor 3 Jahren war das yachtartige Ausflugsschiff „MS Rheinkrone“ der ganze Stolz der Firma. Sie wird Boppard fehlen: Die Köln-Düsseldorfer verlegt die „Rheinkrone“ nach Düsseldorf. Dort soll sie für „Panoramafahrten“ eingesetzt werden. Pressemitteilung und Messenger-Nachricht von Susanne Pander, Mittelrheingold (7 Fragen an Joachim Noll und Susanne Pander, September 2018)

Joachim Noll führt die Hebellinie gemeinsam mit seiner Tochter Susanne Pander (M.). Foto: Hebellinie.

Joachim Noll führte die Hebellinie gemeinsam mit seiner Tochter Susanne Pander (M.). Foto: Hebellinie.

Ein prickelndes Geschäft in Bingen

Das Sekthaus Graeeger hat zum Jahresende Hochsaison. Im Dezember holt das Familienunternehmen mehr als ein Viertel des Jahresumsatzes herein. Volker Valerius kaufte die Traditionsmarke 1996 und verlegte den Firmensitz von Hochheim am Main nach Bingen; mittlerweile führt sein Sohn Jens Valerius die Geschäfte. „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner hat mit ihm über seine prickelnden Branche und über neue Geschäftsfelder gesprochen. Allgemeine Zeitung, graeger.de (Website der Kellerei)

Bunt und betoniert in Lahnstein

Rheinromantik ist anders, aber zur Geschichte des Oberen Mittelrheintals gehören auch Baudenkmäler aus den 70ern. Dazu zählt die betonträchtige Lahnsteiner Stadthalle mit dem markanten Farbkonzept des Künstlers Otto Herbert Hajek. Sie entstand kurz nach dem Zusammenschluss von Ober- und Niederlahnstein und ist pünktlich zum 50. Stadtgeburtstag originalgetreu restauriert worden. Laut „RZ“ bleibt die Halle allerdings ein Verlustgeschäft. Wer sie mieten möchte: Der große Saal kostet pro Veranstaltung 966 Euro. Rhein-Zeitung, lahnstein.de (Infos über die Stadthalle mit SWR-Video), Wikipedia (über Otto Herbert Hajek)

Radeln in Rüdesheim

Der Radweg zwischen Rüdesheim und Assmannshausen wird wie geplant bis Juni kommenden Jahres fertig. Das versichert jedenfalls der zuständige Landesbetrieb „Hessen Mobil“ und widerspricht damit dem Rüdesheimer Kommunalpolitiker Michael Barth. Der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft „WIR“ hatte zuvor über weitere Verzögerungen spekuliert. Wiesbadener Tagblatt

Mittelrheiner des Tages: Roland Steinberger

Der Pächter des Niederwald-Parkplatzes war 16 Jahre lang hoch über Rüdesheim bei jedem Wetter im Dauer-Einsatz. Tourismus-Tipps gab es gratis dazu. Heute ist Steinbergers letzter Arbeitstag, denn sein Vertrag mit der Hessischen Schlösserverwaltung endet um Mitternacht. Dann übernimmt die Seilbahngesellschaft den Parkplatz. Sie hat sich bei der Neuausschreibung durchgesetzt, an der Steinberger sich nicht mehr beteiligen wollte. Laut „Wiesbadener Kurier“ wird es auf dem Niederwald-Parplatz 2019 moderner, aber unpersönlicher: Der neue Pächter installiert Schranken und einen Parkscheinautomaten. Wiesbadener Kurier

Zahl des Tages

12 junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren beteiligen sich im kommenden August am internationalen Austauschprogramm im Mittelrheintal und in der österreichischen Wachau. Der Einsatz dauert 14 Tage und umfasst in beiden Welterbegebieten den Bau von Trockenmauern und Unterstützung bei Naturschutz und Denkmalpflege. Daneben bleibt noch Zeit für ein kleines Tourismus-Programm. Für interessierte Mittelrheiner gibt es am 10. Januar eine Informationsveranstaltung im Weingut Winfried Persch („Sennerhof“) in Oberwesel-Engehöll. Zweckverband Welterbe, YouTube (Video von 2018)

Termine des Tages

Boppard – „Silvester Waldbaden“ – 31. Dezember, 12 Uhr. boppard.de

Rüdesheim – „Silvester und „Europanacht“ am Niederwald – ab 18 Uhr. ruedesheim.de

Bingen – Musikalisches Gala-Dinner im Zollamt – 31. Dezember, 19 Uhr. bingen.de

Boppard – Silvestergala im „Bellevue“ – 31. Dezember, ab 19 Uhr. boppard.de

Boppard – Silvestergala im „Rheinlust“ – 31. Dezember, ab 19 Uhr. boppard.de

Bingen – Silvesterparty im Palais – 31. Dezember, ab 19 Uhr. bingen.de

Bacharach – Silvesterparty in der Münze mit „Elay“ – 31. Dezember, 20 Uhr. VG Rhein-Nahe

Festung Ehrenbreitstein – Silvestermenü – 31. Dezember, 20 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Foto des Tages

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@mytravel_time . Even in gray, plain winter the Middle Rhine Valley looks somewhat photogenic. @mytravel_time shared this beautiful scene with us – this is Sankt Goarshausen with Katz Castle. . Selbst im grauen, kahlen Winter sieht das Mittelrheintal noch ziemlich fotogen aus. Diese schöne Szene hat @mytravel_time mit uns geteilt – hier sieht man Sankt Goarshausen mit der Burg Katz. _______ #visitrlp #sanktgoarshausen #burgkatz #stgoarshausen #rheinlandpfalz #rlp #rhinelandpalatinate #meinrlp #rlperleben #middlerhinevalley #mittelrheintal #mittelrheinstagram #mittelrheingram #archilovers #rheinromantik #prettylittletrips #bitsofbuildings #beautifuldestinations #weroamgermany #sharegermany #living_europe #travel_2_germany #srs_germany #germanlandscape #duitsland #visitgermany #meindeutschland #germanytourism #deutschlandkarte

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Mittelrheingold wünscht ein gesundes und glückliches 2019 im schönsten Tal der Welt und anderswo 🙂

Der Facebook-Bürgermeister von Boppard – 7 Fragen an Walter Bersch

Als Walter Bersch Bürgermeister von Boppard wurde, war Helmut Kohl Bundeskanzler, Lothar Matthäus Kapitän des FC Bayern und das Internet so neu, dass nur 6,5 Prozent der Deutschen es nutzten. Bersch regiert die Stadt seit rekordverdächtigen 21 Jahren und 5 Monaten;  trotzdem tickt er digitaler als die meisten seiner Amtskollegen. Sein Online-Engagement ist nicht nur für das ländliche Rheinland-Pfalz außergewöhnlich: 2012 gründete er mit „Besser Boppard“ eine Facebook-Gruppe, in der praktisch alles verhandelt wird, was die Bopparder beschäftigt – von der privaten Wohnungsauflösung über die Freibadsanierung bis zur kaputten Straßenlaterne („Wir kümmern uns“). Bersch ist bis heute der einzige Admin und damit über das politische Amt hinaus eine Macht im Social Web.  7 Fragen an einen Kümmerer und Kommunikationsprofi.

Walter Bersch ist seit 1997 Bürgermeister von Boppard.

Walter Bersch ist seit 1997 Bürgermeister von Boppard.

Wir könnten das unangenehmste Thema gleich am Anfang erledigen: Wann gibt es in Boppard wieder ein öffentliches Schwimmbad?

Sobald wir die Genehmigung der Kommunalaufsicht haben, dass wir die Baumaßnahme ausschreiben dürfen. Der Stadtrat hat sich auf die Sanierung sowohl des Freibades als auch des Hallenbades festgelegt und sich hierbei nur auf die Höhe der Investitionssumme konzentriert. Die Vernachlässigung der Folgekosten hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass zunächst der Haushaltsplan 2017 im Hinblick auf die Realisierung des Freibades nicht genehmigt wurde. Die entsprechende Genehmigung kam erst, nachdem jährliche Folgekosten in Höhe von 283.000 Euro für das Freibad im Nachtragshaushaltsplan 2017 eingestellt wurden. Noch schwieriger ist es beim Hallenbad. Die zu erwartenden Folgekosten von über einer Million Euro jährlich bedeuten eine Subventionierung eines jeden Hallenbadbesuches von über 50 Euro. Das ist wirtschaftlich schwer zu verkraften. Die vom Stadtrat vorgenommene Koppelung der Freibadsanierung an die Hallenbadsanierung hat die Angelegenheit verkompliziert. Wären wir bei dem großen Mehrheitsbeschluss von 2008 geblieben, könnten wir schon seit vielen Jahren wieder in Boppard schwimmen.

Ich habe der Diskussion um das Schwimmbad nicht immer folgen können, aber mich hat beeindruckt, wie du dich auf Facebook jeder Kritik gestellt hast. Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, als Bürgermeister eine Facebook-Gruppe zu gründen?

Die Idee ist mir vor rund 10 Jahren gekommen, als mir zunehmend bewusst wurde, dass für die jüngeren Generationen die Printmedien an Bedeutung verlieren, während die sozialen Medien an Bedeutung gewinnen. 2010 habe ich „Besser Boppard“ bei „wer-kennt-wen“ gegründet und bin 2012 zu Facebook gewechselt. Die Informationsweitergabe über die sozialen Medien eröffnet zusätzlich die Möglichkeit zum Dialog, was den Blick für das Wesentliche schärft. Ich vertraue dabei auf die Kraft der Argumente.

Du bist der einzige Admin von „Besser Boppard“. Was wird aus der Gruppe, wenn du nicht mehr Bürgermeister bist?

„Besser Boppard“ wird es verschmerzen, wenn ich einmal nicht mehr Bürgermeister der Stadt Boppard sein werde.

2021 wird dein Nachfolger gewählt. Hättest du ein Problem mit deinem Parteifreund Niko Neuser, der dich in der Schwimmbad-Frage immer wieder öffentlich kritisiert hat?

Nein, kein Problem. Niko Neusers Äußerungen zum Schwimmbad habe ich nie als Kritik empfunden. Wir beide wissen, dass die Bemühungen um Konsens die Einsicht in ökonomische Notwendigkeiten nicht ersetzen können.

Du bist seit über 20 Jahren Bürgermeister von Boppard. Was ist das Schönste und was das Schwierigste an diesem Amt?

Schön ist, dass man in Boppard erfolgreich Zukunft in allen Lebensbereichen gestalten kann. Schwierig ist immer wieder die Grunderkenntnis zu vermitteln, dass das, was außerhalb von Boppard im Rest der Republik funktioniert, auch in Boppard funktionieren kann.

Was würdest du bis 2021 noch gerne erreichen? Außer dem Schwimmbad natürlich.

Noch sehr viel: Die Sanierung des Karmelitergebäudes, zwei Neubaugebiete in Bad Salzig und Buchholz, der Neubau der Turnhalle an der Michael-Thonet-Grundschule Boppard, die Modernisierung des Hauptbahnhofes Boppard, die Rechtskraft für einen Bebauungsplan zu einem weiteren Gewerbegebiet an der A 61, „Koblenz-Mitte“, die Ansiedlung von Lidl und weiteren Fachmärkten in Buchenau, die Sanierung des Klosters Marienberg und schließlich ein schöner Rheinland-Pfalz-Tag 2021.

Zum Schluss wie immer der Geheimtipp. Philipp Loringhoven von der Bopparder CDU-Opposition hat hier 2 Kategorien eingeführt: Bester Mittelrhein-Ort für das erste Date und bester Mittelrhein-Ort für den Hochzeitstag. Welche Plätze oder Lokale würde Walter Bersch nominieren?

Da habe ich jeweils zwei Angebote zu machen: Die Ehrbachklamm und das Gasthaus „Daubisberger Mühle“, die Rheinallee und das Weinhaus „Richard von Cornwall“ in der Kurfürstlichen Burg königlichen Ursprungs.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Journalisten und Winzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim) – Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard) – Markus Hecher (Burgherr auf Rheinstein) – Timo Ahrens (Strandbar-Gründer aus Oberwesel) – Philipp Loringhoven (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Carolin Riffel (Winzerin aus Bingen) – Sarah Hulten – Ex-Weinkönigin, Winzerin und Riesling-Influencerin aus Leutesdorf – Walter Mallmann (Politiker aus St. Goar) – Franziskus Weinert (Einzelhändler und E-Commerce-Experte aus Oberwesel) – Klaus Becker (Präsident der TH Bingen) – Marek Gawel (Hotelier aus Boppard) – Andreas Roll (Initiator der Bopparder „Stolpersteine“, Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner) – Rolf Wölfert (Tourismuschef in Rüdesheim) – Joachim Noll und Susanne Pander(Reeder in Boppard) – Tanja Werle (Bloggerin im Rheingau) – Anna Elisabeth Bach (Pensionsbesitzerin, Heilpraktikerin und Himalaya-Reisende aus Boppard) – René Klütsch (Koch und Gastronom in Boppard-Weiler) – Herbert Piel (Fotograf aus Holzfeld) – Andreas Stüber (Hotelier und Koch aus Bacharach) – Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) – Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises) – Matthias Pflugradt (Medienprofi, Bestatter und Loreley-Rebell aus St. Goarshausen) – Heinz-Uwe Fetz (Weinbau-Präsident, Winzer und Gin-Macher aus Dörscheid) – Michael Maul (Sprecher der Fährbetriebe am Mittlerhein) Martin Nickenig (Bäckermeister in Boppard)

Termine des Tages

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté light – 9. Dezember, 11 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Boppard – Musikdinner „Cross Over“ im Bellevue – 30. Dezember, 18 Uhr 30. boppard.de

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté  / Dinnershow – 29. Dezember, 19 Uhr 30. tor-zum5-welterbe.de

Foto des Tages

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