Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: November 2020 Seite 1 von 8

Zwangsruhe in Rüdesheim und ein offener Brief von der Loreley

Am 9. März eröffnete Niederwald-Gastronom Peter Häfner seinen zweiten Betrieb in Rüdesheim, das gerade übernommene traditionsreiche Hotel Trapp. 10 Tage später musste er es schon wieder schließen – der erste Corona-Lockdown legte alles lahm. In einen Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beschreibt er die touristische Achterbahnfahrt des Jahres 2020. Im Spätsommer lief vor allem der Stammbetrieb am Niederwald fast wie in alten Zeiten. Dann kam die zweite Welle. Häfner nutzt die Zwangspausen, um an neuen Konzepten zu feilen. Er kümmert sich mehr um digitales Marketing, will verstärkt jüngere Zielgruppen ansprechen und entwickelt Alternativen zum Bus-Tourismus. Um die Corona-Krise in Rüdesheim geht es auch in einem am Montag erschienen Artikel im „Wiesbadener Kurier“. Reporter Thorsten Stötzer hat sich u. a. mit Sanja Maglic von der Boutique „Darwin’s Daughter“ und Sabine Messerschmidt vom „Geschenkehaus Ehrenfels“ unterhalten. Tenor: Die Stadt und die Läden sind deutlich leerer als sonst. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Print), Wiesbadener Kurier

Niederwalddenkmal über Rüdesheim. Foto: Rüdesheim Tourist AG

Ein offener Brief von der Loreley

Im Streit um die Loreley-Bühne wenden sich die Pächter jetzt ans Publikum. Ulrich Lautenschläger vom Event-Veranstalter Loreley Venues und sein Investor Frank Otto (Sohn von Versandhausgründer Werner Otto) verbreiten einen offenen Brief und feuern dort gegen den Stadtrat, der den Pachtvertrag gekündigt hat. Lautenschläger und Otto wollen offenbar bis zur letzten Patrone um ihre Bühne kämpfen und drohen mit endlosen Prozessen. Auch das geplante Hotel „Slow Down Loreley“ bekommt sein Fett ab: Weil der Campingplatz geopfert werde, seien mehrtätige Festivals unmöglich geworden. Facebook

Bonita bleibt Bingerin

Erfolg für die gebeutelte Binger Innenstadt: Die Modemarke Bonita hat die geplante Schließung ihrer Filiale in der Salzstraße zurückgenommen. Der Betreib geht auch im neuen Jahr weiter, meldet die „AZ“. bingen.de

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„In Boppard verändert sich gerade etwas“

Beton statt Bäume: Die Umgestaltung von Teilen der Bopparder Rheinanlagen zum „Mehrgenerationenpark“ mit Skateranlage spaltet die Stadt. Nicht nur Anwohner schlagen Alarm. Denkmalfreunde und Heimat-Historiker fordern ein umfassendes Konzept für das gesamte Areal, ehe die ersten Bagger Tatsachen schaffen. Rainer Lahme vom Bopparder Geschichtsverein erklärt, warum. 5 Fragen an den den Mann, der Boppards grünes Wohnzimmer retten will. 

Rainer Lahme ist Vorsitzender des Bopparder Geschichtsvereins. Foto: Kent Michaelis.

Die Stadt Boppard will die Rheinanlagen neu gestalten und plant u. a. eine Skateranlage. Was hast du dagegen?

Gegen eine Skateranlage und ein Angebot für die Jugendlichen in Boppard habe ich überhaupt nichts. Mein Vorbehalt richtet sich gegen den Standort der Anlage inmitten einer Parklandschaft, gegen die beabsichtigte Fällung von jahrzehntealten Bäumen, gegen eine weitere Versiegelung des Bodens am Rhein und gegen die geplante Lärmschutzmauer und die damit verbundene Zerstörung von Blickachsen. Es ist für mich auch schwer vorstellbar, wie man die Idee eines Mehrgenerationenparks erfolgreich umsetzen will, wenn der unabwendbare Lärm eines Skaterparks auf das Ruhebedürfnis der älteren Generation trifft, die vielleicht sogar einem Konzert lauschen möchte. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Kurzum: ein Betonbauwerk mit einem hohen Lärmpegel ist in einer Parkanlage ein totaler Fremdkörper und gehört an einen anderen Ort. Der Geschichtsverein ist nicht gegen das Projekt eines Mehrgenerationenparks an sich – er tritt ganz im Gegenteil für die Weiterentwicklung der bedeutenden Rheinanlagen zu einem Welterbe-Garten ein.

Der Bopparder Geschichtsverein, dessen Vorsitzender du bist, hat sich öffentlich gegen die Neugestaltung ausgesprochen. Wer unterstützt euch noch?

Allein kann ein Vorsitzender wenig bewirken. Auf dem Bild in den Rheinanlagen müssten daher viele Gesichter vertreten sein. Innerhalb des Vereins ist es ein Kreis von Mitgliedern, die gemeinsam das Ziel verfolgen, das kulturelle Erbe unserer Stadt zu bewahren. Als Historiker oder Kunsthistoriker richtet man den Blick naturgemäß häufig in die Vergangenheit, das bringt der Job so mit sich. Vielleicht entwickelt man damit einen stärker sensibilisierten Blick für das historische und kulturelle Erbe, lernt es zu schätzen und kann ermessen, was ein Verlust bedeutet. Der Mensch lebt nicht allein im Jetzt und Hier, er braucht Orte der Identität und der Vertrautheit, um Orientierung gerade in der Moderne zu finden.

Unterstützt werden wir von all den Bürgern, die sich innerhalb weniger Tage in die Unterschriftenliste der Organisatoren eines Einwohner-Antrags eingetragen haben. Hier verändert sich gerade etwas in Boppard: viele Bürger, die sich bisher eher abwartend verhalten haben, signalisieren uns nun ihre Unterstützung. Dies soll nicht leugnen, dass es uns mitunter schwerfällt, unsere Ansichten auch in die politischen Gremien der Stadt zu tragen. Das Verhältnis zum Wert der Kultur und ihrer Bedeutung ist in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich ausgeprägt. In einer Zeit mit einem extremen Individualismus geht jeder seinen eigenen Weg, ist es kaum mehr möglich, sich auf die Gesellschaft verbindende Werte zu verständigen.

Äußerst dankbar sind wir für die Unterstützung des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Es ist immer gut, wenn Fachleute von außen einen unverstellten Blick auf eine Stadt werfen und deren Potential benennen. Zudem besitzt dieser Verein eine Expertise und Erfahrung, von der wir nur profitieren können.

Für die Denkmalschützer des Landes Rheinland-Pfalz scheinen die Bopparder Rheinanlagen nichts Besonderes zu sein, sie betrachten sich als nicht zuständig. Welche Möglichkeiten bleiben euch?

Die Landesdenkmalpflege hat den Blick vielleicht etwas einseitig nur in die Vergangenheit gerichtet und ist zu dem Urteil gekommen, dass an der Rheinallee bereits zu viele bedenkliche Eingriffe stattgefunden hätten. Wir sind dagegen der Auffassung, dass gerade auch im Vergleich zu den Rheinanlagen in Bingen und Bacharach besonders in den Georg-Francke-Anlagen sehr viel Substanz vorhanden ist. Dieser Park besteht mit Höhen und Tiefen seit über 100 Jahren, mit prächtigen und seltenen Bäumen. Der Rheinische Verein sieht in den Anlagen eine einzigartige Qualität und das Potential für einen Welterbe-Garten, der bis zur Buga 2029 weiter entwickelt werden kann und spricht in seiner Stellungnahme von einem kultur- und gartenhistorischen Erbe von besonderer gestalterischer Qualität. Dafür wollen wir nun auch die Öffentlichkeit gewinnen, d.h. mit einem starken Partner den Wert der Rheinanlagen in Boppard vermitteln und mit guten Argumenten für eine denkmalverträgliche Weiterentwicklung werben.

Die Stadt argumentiert, dass sie bereits Aufträge vergeben hat und den Beschluss faktisch nicht mehr revidieren kann. Warum habt ihr nicht früher protestiert?

Die Informationspolitik der Stadt war sehr zurückhaltend. Persönlich habe ich die Gefährdung der Rheinanlagen sehr spät erkannt. Als Mitglied der LAG-Mittelrhein habe ich im Jahr 2016 ohne Bedenken für den Projektantrag der Stadt gestimmt. In diesem ursprünglichen Projektantrag war von einem Skaterpark, wie wir ihn jetzt diskutieren, noch nicht die Rede, auch nicht von einer Mauer von 3,50 m mal 30 m, auch nicht von eventuell notwendig werdenden Baumfällungen.

Von den veränderten Planungen habe ich erstmals durch einen Beitrag der Fraktion der Grünen im Bopparder Stadtrat am 15. Mai 2020 aus der Presse erfahren. Erst in diesem Moment ist für mich persönlich – vielleicht zu spät – erkennbar geworden, dass mit dem 2016 auf das Gleis gestellten Projekt auf dem Weg durch die Gremien etwas gründlich schiefgelaufen war. Seitdem haben wir uns als Geschichtsverein intensiv in dieser Frage und für unsere Ideen für eine behutsame Weiterentwicklungen dieses kulturellen Erbes engagiert. Die derzeitig geführte Diskussion in Boppard zeigt, dass unsere Argumente durchaus auf ein positives Echo stoßen.

Wäre ein Kompromiss möglich? 

Selbstverständlich. Doch für einen Kompromiss braucht man Partner, die dies auch wollen und keine Fakten schaffen, um genau diesen Kompromiss unmöglich zu machen.

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Der Buga-Chef ist da

Die wahrscheinlich wichtigste Mittelrhein-Personalie des Jahrzehnts ist amtlich: Buga-Profi Berthold Stückle wird Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2029. Der Landschaftsarchitekt mit Meisterbrief übernimmt am 1. Januar. Stückle hat jahrzehntelange Buga-Erfahrung und steht für die Weiterentwicklung der klassischen Gartenschau zum nachhaltigen Regionalentwicklungsprojekt. Das Mittelrheintal kennt er aus seiner Arbeit für die Buga 2011 in Koblenz. 2019 verantwortete er Organisation und Betrieb der Bundegartenschau in Heilbronn – mit „Herz, Hirn und Hand“, wie der dortige Oberbürgermeister später erklärte. Stückle gilt als Macher mit Fingerspitzengefühl. Er weiß, dass 2029 keine Standard-Buga wird. Noch nie war ein so großes Gebiet an so vieln Orten zu bespielen. Schon die logistischen Besonderheiten – ein Fluss ohne Brücke – erfordern neue Mobilitätskonzepte.

Mr. Buga: Berhold Stückle auf der Loreley. Foto: Herbert Piel / pielmedia

Die gemeinnützige „Bundesgartenschau Oberes Mittelrheintal 2029 gGmbH“ – so der offizielle Name –  gehört mehrheitlich dem Zweckverband Welterbe mit Sitz in St. Goarshausen, einem Zusammenschluss aller Kommunen und Gebietskörperschaften im Oberen Mittelrheintal inklusive der beiden Länder Rheinland-Pfalz und Hessen. In der Startphase wurde sie von Rainer Zeimentz geführt, dem Chef der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mainz. Zeimentz wird es ohne unmittelbare Buga-Verantwortung kaum langweilig werden: Momentan koordiniert er in seinem Bundesland den Aufbau der Corona-Impfzentren. buga2029.blog, SWR, Rhein-Zeitung, YouTube (Video-Interview mit Stückle)

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