Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: August 2020 Seite 1 von 8

Und ewig grüßt die Mittelrheinbrücke

Bis zur rheinland-pfälzischen Landtagswahl sind es noch über ein halbes Jahr hin, aber die Parteien laufen sich schon warm. Im Mittelrhein-Tal merkt man es daran, dass Politiker für die Brücke demonstrieren. Gerade war es wieder einmal soweit: In Wellmich versammelten sich laut „RZ“  rund 100 Sozialdemokraten, darunter Innenminister Roger Lewentz, VG-Bürgermeister Mike Weiland und Juso-Landeschef Umut Kurt. Anlass war eine Interview-Äußerung der grünen Spitzenkandidatin Anne Spiegel: Sie hatte den Sinn der Mittelrheinbrücke in Frage gestellt. „RZ“-Kommentatorin Denise Bergfeld erinnert daran, dass schon vor der Landtagswahl 2016 in ähnlichem Kreis demonstriert worden war und die Brücke noch immer nicht geplant ist, geschweige denn im Bau.

Die geplante Brücke würde Wellmich mit Fellen verbinden.

Die geplante Brücke würde Wellmich mit Fellen verbinden.

Knackpunkt bleibt die Finanzierung. Michael Maurer, Vize-Vorsitzender der SPD im Rhein-Hunsrück-Kreis und Brücken-Befürworter wie sein Landeschef Lewentz, rechnet mit Kosten von rund 60 Millionen Euro. 85 Prozent würde das Land übernehmen, den Rest müssten sich die Landkreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück teilen. Auf der linken Rheinseite besteht Landrat Marlon Bröhr (CDU) allerdings auf volle Kostenübernahme. Für den kommenden Mittwoch ist eine weitere Veranstaltung in Wellmich geplant. Dann will Lewentz über Details des Raumordnungsverfahrens informieren. Das Raumordnungsverfahren ist Voraussetzung für Planung und Bau. Eigentlich sollte es schon in diesem Jahr beginnen, wegen Corona-Hindernissen geht es aber erst 2021 los. Ein  Baubeginn vor 2030 gilt als unwahrscheinlich. Rhein-Zeitung

Law and Order bei „Besser Boppard“

Bisher ging es in der halboffiziellen Bopparder Facebook-Gruppe „Besser Boppard“ zu wie im Wilden Westen. Gründer, Administrator und SPD-Bürgermeister Walter Bersch ließ die fast 6000 Mitglieder posten und diskutieren, was ihnen gerade durch den Kopf ging – selbst dann, wenn es sich dabei um luftleeren Raum handelte. Jetzt will Bersch strenger durchgreifen und „Beiträge mit Beleidigungen und Verunglimpfungen löschen“. Facebook

Übernächsten Samstag ist Mittelrhein-Putztag

Am 12. September rücken im Welterbe-Tal wieder die ehrenamtlichen Müllsammler aus. Die internationale Aktion „RhineCleanUp“ läuft den gesamten Strom entlang, von der Quelle in der Schweiz bis zum Mündungsdelta an der Nordsee. Diesmal dürften es die Ufer besonders nötig haben: Im Hochsommer kampierten mehr Ausflügler als sonst an Wasser. Wer etwas gegen die Müllflut unternehmen will: In fast jeder Gemeinde gibt es Unterstützung, meistens organisiert von Verwaltung und Feuerwehr. Rhein-Zeitung, rhinecleanup.org (Website der internationalen Bürgerinitiative)

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„Slow Down Loreley“: Die Debatte ist eröffnet

Rund um die Loreley fallen die Reaktionen auf das geplante Großhotel unterschiedlich aus. Bisher gibt es wenig Begeisterung, wenig Total-Opposition und viele offene Fragen. Katrin Vetters, 1. Beigeordnete und amtierendes Stadtoberhaupt von St. Goarshausen, klingt nicht euphorisch, hofft aber auf einen Entwicklungsschub für ihre Stadt: „Wenn wir wollen, dass Menschen bleiben, müssen wir Räume schaffen, in denen sie bleiben können und wollen …. Im Tal ist das nicht möglich, also geht man auf die Höhe. Die Hotelplanung wurde über sechs Jahre lang diskutiert, um die Verträglichkeit im Landschaftsbild wurde hart gerungen. Jetzt wird ein Stück Natur aufgegeben zugunsten einer hochwertigen wirtschaftlichen Nutzung. Ich finde, diesen Schritt muss man wagen.“

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Kritischer äußert sich Christoph Weyrath, Vorstandssprecher der Grünen im Rhein-Lahn-Kreis: Die Verbandsgemeinde habe die ursprüngliche Obergrenze von rund 300 Betten aufgegeben und einen deutlich größere Anlage akzeptiert. Mit dem jetzt geplanten 720 Betten-Komplex „Slow Down Loreley“ werde das Naturdenkmal immer mehr zur „Betonwüste“.

Der in der Region verwurzelte Kölner Landschaftsachitekt Dirk Melzer äußert sich auf Facebook noch schärfer: Er nennt den Plan eines norddeutschen Konsortiums „Investorenarchitektur aus dem Kopierer, dazu völlig überdimensioniert.“ Das „Slow Down Loreley“ werde sich zum „Go down Loreley Projekt“ entwickeln.

Eine Stellungnahme der Unesco steht noch aus. Laut VG-Bürgermeister Mike Weiland vermittelt das Welterbe-Sekretariat der Landesregierung. Der Investor sieht alle Unesco-Vorgaben erfüllt. Darauf pocht auch Touristik-Netzwerkerin Claudia Schwarz*: „Das Tal muss sich weiterentwickeln und braucht neue touristische Angebote, gerade auch in der Verbandsgemeinde Loreley. Aber es muss welterbe- und ressourcenverträglich sein. Ich gehe davon aus, dass das geklärt ist.“ Die Geschäftsführerin der Tourismusorganisation Tal der Loreley ist auch Vorsitzende der Verbandes deutscher Welterbe-Stätten.

Für die Baugenehmigung ist die Kreisverwaltung in Bad Ems zuständig. Wenn alles so läuft, wie die „Slow-Down“-Macher wollen, könnten die Anlage mit Hotel-Hauptgebäude, Terrassen-Appartments und Ferienhaus-Villen 2024 in Betrieb gehen. Die Verbandsgemeinde Loreley rechnet mit 80 bis 100 Arbeitsplätzen. Mittelrheingold (Hintergrund)

* Disclaimer: Die Rhein-Touristik Tal der Loreley e.V. unterstützt Mittelrheingold.

Ein Buga-Kloster in Bornhofen

Falls sich die Loreley bis zur Buga 2029 zum touristischen Rummelplatz entwickeln sollte: Ruhe und Frieden gäbe es ein Stück stromabwärts im Kloster Bornhofen. RLP-Innenminister Roger Lewentz und der zuständige Limburger Bischof Georg Bätzing (ein Cousin von Lewentz‘ Ministerkollegin Sabine Bätzing-Lichtenthäler) wollen das barocke Wallfahrtskloster zu einem spirituellen Mittelpunkt der Bundesgartenschau entwickeln und zählen dabei auf den rührigen Pater Eryk. Auch die Evangelische Kircher soll eingebunden werden. Rhein-Zeitung, Saarbrücker-Zeitung

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Luxusleben auf der Loreley und Sprengstoff in Trechtingshausen

Auf der Loreley geht es um weit mehr als nur um die Freilichtbühne. Seit Dienstag ist offiziell, dass auf dem Plateau die größte Hotel- und Ferienhausanlage weit und breit entstehen soll. Geplant sind 320 Zimmer und Suiten in unmittelbarer Nähe von Landschaftspark und Hangkante, aufgeteilt auf ein fünfgeschossiges Hauptgebäude, 40 terrassierten „Superior-Zimmern“ und 10 „Hotelvillen“. Insgesamt soll es 720 Betten geben. Inklusive Personal würde das Resort mit Namen „Slow Down Loreley“ fast so viele Menschen beherbergen wie die zuständige Ortsgemeinde Bornich Einwohner hat.

Hinter „Slow Down Loreley“ stehen 3 Investoren aus Norddeutschland, die im Ostsee-Badeort Travemünde bereits ähnliches realisiert haben: Der Immobilienentwickler Nidag aus Wentorf bei Hamburg, das deutsch-dänische Ferienpark-Unternehmen Planet Gruppe aus Kiel und der Lübecker Call-Center-Betreiber Aye Media. Das 37.000 Quadratmeter große Areal gehört ihnen bereits. An den Hotelplänen war jahrelang hinter verschlossenen Türen gefeilt worden.

Slow Down Loreley: Visualisierung mit 14 Hotelvillen.

Die Investoren haben Kommunalpolitiker, Unesco-Kommission und Aufsichtsbehörden ins Boot geholt, darum könnten die Bauarbeiten schon im kommenden Frühjahr starten. 2024 sollen die ersten Gäste anreisen. Laut SWR werden 85 Millionen Euro investiert. Für den heutigen Donnerstagabend ist eine öffentliche Info-Veranstaltung in St. Goarshausen-Heide geplant. Sie beginnt um 18 Uhr in der Loreley-Schule. Wer teilnehmen möchte: Die Verbandsgemeindeverwaltung verlangt eine Voranmeldung (rathaus@vg-loreley.de oder telefonisch unter 06771 919-0).

SPD und CDU scheinen geschlossen hinter dem Projekt zu stehen, bei den Grünen gibt es Widerstand, Denkmalschützer sind irritiert. Der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich nennt das Projekt eine „Katastrophe“.  Allerdings würde es dem befürchteten Bettenmangel zur Buga 2029 abhelfen. Rhein-Zeitung, SWR, Facebook-Mitteilungen

Sprengstoff in Trechtingshausen

Neben dem Loreley-Hotel schwelt noch ein zweites großes Streitthema am Mittelrhein: Der Steinbruch in Trechtingsghausen. Laut SWR will der deutsch-niederländische Pächter die Abbaufläche neben Burg Sooneck um rund 10 Hektar erweitern. Die Ortsgemeinde profitiert von Pachtzahlungen und Gewerbesteuer, Anwohner befürchten Lärm und Landschaftszerstörung. Der Konflikt ist noch am Anfang, aber Steinbruchchef Willem Douw bringt sich schon einmal medial in Stellung. Er hat eine Wiesbadener PR-Agentur beauftragt, verweist per Pressemitteilung auf die lange Bergbautradition am Mittelrhein und lockt mit einer möglichen touristischen Nutzung des Hangs. presseportal.de, SWR

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stürmischer Wind kann auch seine schönen Seiten haben wir hier am Schloss Stolzenfels

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