Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: Februar 2021 Seite 2 von 8

Reichenstein als Hochzeitsparadies und noch kein Lichtblick in Lahnstein

Der „Wedding Award Germany“ ist so etwas wie der Oscar der deutschen Hochzeitsbranche. Die Auszeichnung wird in insgesamt 30 Kategorien vergeben und deckt sämtliche Dienstleistungen rund um die Trauung ab – von der Frisur über den Schmuck und das Restaurant bis zu Torte und Hochzeitsvideo. Einer der Sieger 2021 kommt vom Mittelrhein: Die Burg Reichenstein holt die Silbermedaille in der Kategorie „Location für Trauungszeremonien“. Das Reichenstein-Team um Geschäftsführerin Katrin Gerwinat und Marketingchefin Christinas Schirra hofft jetzt bundesweite Aufmerksamkeit. Bisher kamen die Paare überwiegend aus der Region und dem Rhein-Main-Gebiet.  Vor dem Lockdown funktionierte das Angebot gut: Laut „AZ“ gab es auf der Hotel-Burg über Trechtingshausen pro Jahr rund 40 Trauungen. Reichenstein gehört dem Dortmunder Zeitungsverleger Lambert Lensing-Wolff, der die Burg auch privat nutzt. Allgemeine Zeitung, Wedding Award Germany, Burg Reichenstein, Mittelrheingold (7 Fragen an Lambert Lensing-Wolff, September 2019)

Burg Reichenstein wurde um 1900 im englischen Stil wiederaufgebaut. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Reichenstein wurde um 1900 im englischen Burgenstil wiederaufgebaut. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Noch kein Lichtblick in Lahnstein

Am „Rheinleuchten“-Projekt ist vermutlich so viel gefeilt worden wie noch nie. Wegen Corona haben der Zweckverband Welterbe und Projektmanagerin Sara Renzler ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept entwickelt. Für den geplanten Hauptspielort Löhnberger Mühle in Lahnstein etwa ist ein Einbahnstraßen-Parcours geplant und die Eintrittskarten gibt es nur im kontaktlosen Online-Vorverkauf. Trotzdem kann die Illuminations-Show entlang des Rheins nicht an Ostern stattfinden; sie wird sicherheitshalber verschoben. Der Zweckverband unter Rhein-Lahn-Landrat Frank Puchtler will das Licht anknipsen, sobald die Infektionslage es zulässt. Rhein-Zeitung

Koblenz und die Goethe-Maschine

Die legendäre „MS Goethe“ schippert seit 1913 über den Rhein. Unter Deck brummt mittlerweile ein Dieselmotor, aber die Original-Dampfmaschine aus der Kaiserzeit gibt es noch. Sie soll das Highlight des Rhein-Museums in Koblenz-Ehrenbreitstein werden. Das Museum zu Füßen der Festung wird mit Blick auf die Buga 2029 fit gemacht und bekommt einen Anbau. Rhein-Zeitung

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Frühlingsgefühle in Rüdesheim und Dunkelmänner in Lorch

Im „Wiesbadener Kurier“ schreibt Thorsten Stötzer über das erste frühlingshafte Wochenende rund um Rüdesheim. Stadt und Umland waren gut besucht, aber es gab kaum Gedränge. Mangels Gastronomie verlagerte sich einiges auf die Höhen. Der Wander-Boom setzt sich fort, und die ersten Outdoor-Fans packten ihre Picknick-Körbe aus. „Die Leute wollen bei dem Wetter raus“, zitiert die Zeitung Seilbahn-Chef Rainer Orben. Seine Gondeln starten zwar erst in einem Monat wieder, aber zu tun hat er trotzdem: Orben bewirtschaftet zusätzlich zur Seilbahn auch den Parkplatz am Niederwalddenkmal. In Rüdesheim denkt man übrigens schon an den nächsten Weihnachtsmarkt: Gerade wurde der Vertrag mit Marktbetreiber Eric Rehwald bis 2036 verlängert. Rehwald bekommt damit langfristige Planungssicherheit für sein Unternehmen. Wegen Corona hatte er im vergangenen Jahr alles absagen müssen. Wiesbadener Kurier (Wochenende), Wiesbadener Kurier (Weihnachtsmarkt)

Blick auf Rüdesheim. Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein Tourismus

Team Assmannshausen

Apropos Rüdesheim: Im Stadtteil Assmannshausen spucken Ortsvorsteher Torsten Schambach und andere freiwillige Helfer in die Hände und legen einen überwucherten Fußweg nach Aulhausen frei. Die ersten 500 Meter sind schon geschafft. Bisher mussten Fußgänger direkt an der Fahrbahn der Landstraße entlang. Wiesbadener Kurier

Dunkelmänner in Lorch

Flussabwärts in Lorch geht es nicht ganz so harmonisch zu. Dort muss sich Bürgermeister Ivo Reßler gegen anonyme Vorwürfe an die Kommunalaufsicht wehren. Laut „Wiesbadener Kurier“ geht es um Rechnungen für Kita-Renovierungen und die Feuerwehr. Reßler steht seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr unter Dauerbeschuss der Wahlverlierer CDU und SPD. Der frühere IT-Manager hatte sich als unabhängiger Kandidat durchgesetzt, SPD-Bewerber Georg Breitwieser haushoch geschlagen und den langjährigen CDU-Bürgermeister Jürgen Helbing abgelöst. Seitdem herrscht in der Lorcher Parteipolitik dicke Luft. Wegen kleinerer Reparatur-Aktionen im Hau-Ruck-Verfahren hatte SPD-Stadträtin Tanja Herrmann Strafanzeige gegen Reßler gestellt, außerdem gab es aus den Reihen der SPD Dienstaufsichtsbeschwerden. Reßler wurde jedesmal entlastet. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Die Aufsichtsbehörde sprach lediglich eine Rüge aus – nicht wegen der Vergabe der Reparaturjobs, sondern wegen mangelnder Information darüber. Ob hinter den neuen anonymen Vorwürfen ebenfalls eine Partei steht, könnte am 2. März Thema bei der nächsten Sitzung des Kommunalparlaments sein. Wie die Lorcher Bevölkerung darüber denkt, zeigt sich jedenfalls am 14. März – dann wird die Stadtverordnetenversammlung neu gewählt.  Wiesbadener Kurier

13,3 Fragen an Niko Neuser

In Boppard gibt die SPD ein besseres Bild ab als in Lorch. Dort wird am 14. März ein neuer Bürgermeister gewählt. Gute Chancen hat Niko Neuser, SPD-Stadtrat, Ortvorsteher der Bopparder Innenstadt, Schwimmbad-Aktivist und Favorit von Amtsinhaber Walter Bersch, der aus Altersgründen nicht mehr antritt. Es gibt mit Philipp Loringhoven (unabhängig) und Jörg Haseneier (CDU) 2 weitere Bewerber, aber keiner nimmt die Kandidatur ernster als Neuser. Dass er trotzdem nicht verbissen ist, zeigt das Video-Interview von Instagram-Bloggerin Sandra Bruns. Dort erklärt Neuser u. a, warum er sich nicht traut, an der Tür der Bopparder Stadtverwaltung zu rütteln. Instagram

 

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Ein Kloster und die Corona-Krise: 6 Fragen an Philippa Rath

Corona bremst aus, engt ein und zwingt zum Verzicht – sogar hinter Klostermauern. Im 3 .Teil ihrer Corona-Interviews hat Gastbloggerin Marie-Luise Krompholz mit Philippa Rath von der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen gesprochen. Die katholische Ordensfrau, die als Buchautorin gerade bundesweit im Gespräch ist, sorgt sich um den Klosterbetrieb und hofft auf Lehren aus der Krise. 

Philippa Rath lebt seit 1990 im Kloster Eibingen. Foto: Abtei St. Hildegard Rüdesheim-Eibingen.

Philippa Rath lebt seit 1990 im Kloster Eibingen. Foto: Abtei St. Hildegard Rüdesheim-Eibingen.

Wie hat Corona in den letzten Monaten Ihren Alltag verändert? 

Mein persönlicher Alltag hat sich radikal verändert. Durch meine verschiedenen Aufgaben hier im Kloster als Stiftungsvorstand der Klosterstiftung Sankt Hildegard und als Geschäftsführerin unseres Freundeskreises war ich vor Corona viel unterwegs. Auch mein Engagement in dem Reformprozess der Kirche „Synodaler Weg“ war mit Reisen verbunden. Nun finden alle Begegnungen und Kontakte ausschließlich digital statt, ich verbringe viele Stunden am Tag in Zoom-Konferenzen und Telefonschaltungen. 

Auch die geistliche Begleitung von Menschen, die ansonsten zu uns kommen und ein Gespräch suchen, hat sich auf diese alternativen Kommunikationswege verlagert. Das alles ist manchmal sehr anstrengend. Ich bin aber erstaunt, wie gut es trotz allem geht. Dennoch vermisse ich natürlich – wie wahrscheinlich alle Menschen – die persönlichen Begegnungen und den direkten Austausch.

Mit Gottesdiensten, Seminaren, dem Klostercafé und dem Klosterladen zieht die Abtei St. Hildegard in normalen Zeiten sehr viele Besucher an. Wie hielten bzw. halten Sie während des Lockdowns Kontakt zu den Menschen außerhalb des Klosters? 

Das ist je nachdem sehr unterschiedlich. Unsere Kirche und unsere Gottesdienste sind ja weiterhin offen für alle, die kommen möchten. Gott sei Dank ist unsere Kirche ziemlich groß, so dass 40 Menschen problemlos auch unter strikter Einhaltung aller Corona-Abstands- und Hygieneregeln an den Gebetszeiten teilnehmen können. 

In allen anderen Bereichen ergeht es uns wie so vielen Hoteliers, Gastronomen und Geschäftsleuten überall auf der Welt, die um ihre Existenz bangen und deren Reserven von Monat zu Monat mehr dahin schmelzen. Unser Gästehaus ist seit Monaten komplett geschlossen. Das schmerzt uns besonders, denn alle Kurse, Seminare und Exerzitienangebote mussten wir ersatzlos streichen. Die Wartelisten sind nun lang, so dass nach dem – so Gott will – baldigen Ende des Lockdowns die Gäste hoffentlich wieder zu uns strömen werden. 

Die Schließung des Klosterladens und des Klostercafés hat uns ebenfalls hart getroffen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in unserer Sorge für die Mitarbeitenden, vor allem für die Menschen mit Beeinträchtigung, die in unserem Inklusiven Klostercafé arbeiten. Sie alle sind ohne ihre Arbeit haltlos und warten sehnsüchtig darauf, wieder voll mitmachen zu dürfen. Am Wochenende gibt es aber wenigstens ein kleines „Café to go“-Angebot, das die Besucher auch gerne annehmen. Unser Klosterladen und das Klosterweingut haben sich damit geholfen, dass sie ihr Online-Angebot seit Beginn des Lockdowns massiv ausgebaut haben und nun Bestellungen per Telefon oder Mail möglich sind. Die Kunden sind dankbar dafür, aber einen normalen Einkaufsbummel und das Stöbern im Laden ersetzt das natürlich in keiner Weise.

 

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Wieviel Beistand, Trost und Begleitung können Sie trotz Social Distancing geben?

In diesem Punkt bin ich eigentlich recht zuversichtlich. Uns erreichen in diesen Wochen und Monaten sehr viele Bitten um Gebetsunterstützung in den verschiedensten Anliegen. Unser Gebet ist für die Menschen in nah und fern wichtig und, wie mir scheint, in Corona-Zeiten auch deutlich intensiver geworden. Viele Mitschwestern begleiten Menschen zudem telefonisch oder per Mail. Ich selbst telefoniere regelmäßig mit mehreren Personen, die durch Corona nahe Angehörige verloren habe und versuche, ihnen auf diese Weise Trost zu spenden und neue Lebenskraft in ihnen zu wecken. Wir hoffen einfach, dass die Menschen durch unser Gebet und unser – wenn auch reduziertes – so doch treues Dasein für sie ein wenig Hoffnung und Zuversicht schöpfen können.

Ein Kloster ist traditionell ein Ort des Innehaltens und der Besinnung. Die Corona-Pandemie hat viele Menschen in ihrem hektischen Alltag ausgebremst. Aus Ihrer Erfahrung heraus, inwiefern kann Entschleunigung auch hilfreich sein?

Ich denke, Corona hat vieles von dem in Frage gestellt, was wir bisher für unumstößlich hielten. Das Virus stellt Fragen an unseren Lebensstil, an unser Verhältnis zur Natur, an unser Zusammenleben, an mein Verhältnis zu mir selbst, zu meinen Mitmenschen und zu Gott. Eine Krise hat für mich aber nur dann Sinn, wenn wir anders aus ihr hervorgehen als wir in sie hineingegangen sind. Insofern ist die erzwungene Entschleunigung sicher für manche, leider nicht für alle, auch eine Möglichkeit zur Besinnung. 

Die vielleicht wichtigste Lektion, die uns Corona lehren kann, ist meines Erachtens, dass die Zeit des Egoismus und Individualismus vorbei ist und Miteinander und Füreinander das Gebot der Stunde sind. Eine zweite Lektion wäre für mich: Maßlosigkeit kann krankmachen und ins Chaos führen. Corona lehrt uns, dass Maßhalten, Sich-Einschränken und Verzichten bisweilen unausweichlich und auch möglich sind – nicht als Selbstzweck, sondern um eines höheren Gutes willen. Verzichten kann zu mehr innerer Freiheit und zu einem Mehr an Leben führen

 

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Ein Beitrag geteilt von Mari Ta (@pixel_madchen)

Was können, was sollten wir alle aus dieser besonderen Zeit lernen? 

Jede und jeder sollte aus meiner Sicht die eigenen Lehren aus dieser Zeit ziehen. Das können wir niemandem abnehmen und schon gar nicht für alle bestimmen. Mich persönlich haben vor allem die vielen Toten der Pandemie sehr bewegt. Sie mahnen uns, dass wir alle jeder Zeit abberufen werden können. Das braucht uns, denke ich, keine Angst zu machen, aber kann achtsamer sein lassen. So leben, dass die Begegnung mit unserem Schöpfer uns nicht „kalt erwischt“. Das wäre aus meiner Sicht ein Lebensprogramm nicht nur in Coronazeiten.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Corona-Pandemie einigermaßen im Griff ist und die Beschränkungen wieder gelockert werden?

Ich freue mich vor allem, wenn die Menschen wieder angstfrei zu uns kommen können, und wenn ich meine Familie und meine Freunde wieder ungehindert in den Arm nehmen kann. Für unsere Gemeinschaft freue ich mich vor allem darauf, dass wir unser Gotteslob wieder singen können, was jetzt in Corona-Zeiten nur sehr eingeschränkt möglich ist. Neben der Freude überwiegt aber auch die Dankbarkeit für meine Gemeinschaft. In Krisenzeiten ist das so unendlich wichtig. Wir durften das haben, was andere schmerzlich vermisst haben. Das ist wahrhaftig ein Grund zum Danken. 

Und dann ist da neben Vorfreude und Dankbarkeit noch die Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass wir alle nicht nur wieder dort anfangen, wo wir vor Corona aufgehört haben, sondern die Lehren und Erkenntnisse dieser langen und schwierigen Zeit in die Zukunft retten. Dann können wir dieser Krise am Ende auch einen Sinn abringen.

Sr. Philippa Rath OSB  wurtde1990 Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Sie studierte Theologie, Geschichte und Politikwissenschaften und hat vor ihrem Klostereintritt als Redakteurin und Lektorin gearbeitet. Im Kloster ist sie u. a. für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Leben und Werk Hildegards von Bingen und war 2011/12 am Verfahren um Hildegards Heiligsprechung und Erhebung zur Kirchenlehrerin beteiligt. Schwester Philippa engagiert sich für die Gleichstellung der Frauen in der Kirche. Gerade hat sie ihr bundesweit beachtetes Buch „Weil Gott es so will“ erschienen, ein Appell für Frauen im Priesteramt

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