Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: Oktober 2020 Seite 1 von 8

Erste Hilfe für die Mittelrhein-Wirte und letzte Chance auf der Loreley

Der Lockdown-Schock war diese Woche heftig, aber kapituliert wird noch lange nicht. Viele Gastronomen fahren jetzt wieder ihre Abhol- und Lieferservices hoch, die im Frühjahr zumindest einen kleinen Teil des Umsatzes gerettet haben. Bei Bacharachs TV-Koch Andreas Stüber („Rheinhotel“) etwa gibt es ebenso wie bei Karolin König-Kunz vom „Weißen Schwanen“ in Braubach ab nächste Woche „Gans to go“. Die beiden Welterbe-Gastgeber hatte sich ebenso wie viele Kollegen auf die Geflügel-Saison vorbereitet, als in Berlin die Gastro-Bremse beschlossen wurde. Besonders bitter für Stüber: Gerade er hatte sich besonders akribisch auf die kalte Jahreszeit vorbereitet und ein Gerät zur Luft-Entkeimung installiert. Im Gespräch mit der „RZ“ wirkt der Rheinhotel-Chef dennoch gefasst: „Wir müssen einfach schauen, was im Dezember passiert‘, zitiert ihn die Zeitung. Im Großen und Ganzen scheint die Mittelrhein-Gastronomie nicht ganz so verbittert, wie zu befürchten war. Es ist nicht allein die Hoffnung auf staatliche Ausgleichszahlungen, die sie über Wasser hält. Manche Wirte können noch von der überraschend starken Hochsaison zehren. André Choquet von der Binger „Vinothek“ etwa: Er habe „im Sommer viel und gut gearbeitet“ und sich „einen Puffer zugelegt, um über diesen Winter zu kommen“, ist in der „AZ“ zu lesen. Für andere Betriebe ist der Lockdown schon jetzt eine Katastrophe. Die „Alte Wache“ am Binger Speisemarkt ist gerade erst mit hohem Aufwand umgebaut worden. Jetzt wird das Geschäft schon wieder abgewürgt. Wieder anders ist die Situation im Bopparder Luxushotel „Bellevue“. Die Eigentümerfamilie Gawel ist zwar auch von der Krise gebeutelt, greift aber tief in den Sparstrumpf und stockt u. a. das Kurzarbeitergeld ihrer Mitarbeiter auf.

Blick auf Oberwesel. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Vieles wird davon abhängen, wie schnell die Staatshilfe fließt, und ob im Dezember noch etwas zu retten ist. Lebenswichtig ist auch die Unterstützung der Kundschaft vor Ort. In Oberwesel hat der Gewerbeverein unter Ägide von Franziskus Weinert und Christian Büning die im Frühjahr gestartete Seite vermittelrhein.de wieder ins Netz gestellt. Dort können Dienstleistungen unter Corona-Bedingungen und Angebote für Nachbarschaftshilfe präsentiert werden. Rhein-Zeitung (Rheinhotel), Rhein-Zeitung („Weißer Schwan“), Allgemeine Zeitung (Bingen), vermittelrhein.de

Letzte Chance für die Loreley

Im Dauerstreit zwischen der Stadt St. Goarshausen und dem Pächter der Loreley-Bühne gibt wieder es Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung. Bei einem Gerichtstermin in Koblenz muss dem neuen Stadtbürgermeister Nico Busch tief ins Gewissen geredet worden sein. Der Richter habe ihm empfohlen, statt eines langwierigen Prozesses das Mediationsverfahren mit der Gegenpartei zu suchen, schreibt die „RZ“. Jetzt muss Busch den Stadtrat überzeugen, der eigentlich auf eine Kündigung besteht. Bei dem Konflikt geht es um viel Geld. Der Pächter hält Pachtzahlungen zurück und argumentiert mit Baumängeln. Rhein-Zeitung

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Montag gehen die Lichter aus

Im Spätsommer sah es nach einem starken Finale für den Mittelrhein-Tourismus aus. Jetzt knippst Lockdown Nr. 2 die Saison aus. Ab Montag müssen Gastronomen für mindestens 4 Wochen auf Lieferservice umstellen oder ganz schließen. Events werden reihenweise abgesagt, darunter der „Chrismas Garden“ auf der Festung Ehrenbreitstein und der Koblenzer Weihnachtsmarkt. Auf der hessischen Seite zieht der Rheingau-Taunus-Kreis die Zügel an: In der Rüdesheimer Drosselgasse gilt jetzt Maskenpflicht. Der „Lockdown light“ ist umstritten. Kritiker argumentieren, dass keine größeren Infektionsausbrüche in Hotels oder Restaurants nachgewiesen seien. Befürworter lassen das nicht gelten. Aus ihrer Sicht geht es einfach nur darum, möglichst zu Hause zu bleiben. Staatshilfen auf Basis des Vorjahresumsatzes sollen die Wirte über Wasser halten. Allerdings ist unklar, ob davon auch Neugründungen wie das „Königliche Brauhaus“ in der Bopparder Burg oder das „Papa Rhein“ in Bingen profitieren. christmas-garden.de, Rhein-Zeitung (Koblenzer Weihnachtsmarkt), Wiesbadener Kurier (Rüdesheim)

Boppard bei Nacht. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Frankfurter Allgemeine Abrechnung

Die Loreley hat gerade keine gute Presse. Nach dem „Kölner Stadtanzeiger“ kritisiert auch die bundesweite „FAZ“ das geplante Hotelprojekt „Slow Down Loreley“.  Der Bau drohe „das Loreley-Plateau zu verschandeln“, titelt das Blatt im Feuilleton. „FAZ“-Redakteur Matthias Alexander wundert sich über desinteressierte Politiker und fragt sich, ob man in Mainz den Welterbe-Status vielleicht schon aufgegeben habe. Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Ein Lob auf die rechte Rheinseite

Das rechte Rheinufer zwischen Kaub und Lahnstein bekommt zwar besonders viel Abendsonne ab. Trotzdem steht es ein bisschen im Schatten der Nachbarn. Der Rheingau gilt besser entwickelt, und die Mitttelrhein-Orte gegenüber – Boppard, St. Goar, Oberwesel oder Bacharach – sind immer ein Tick bekannter und größer als Braubach, St. Goarshausen oder Kaub. Dass die rechte Seite viel mehr zu bieten hat als die Loreley und die Marksburg, zeigt eine neue SWR-Reportage aus der Reihe „Fahr mal hin“. Zu sehen sind u.a. Bio-Winzerin Anja Belitz aus Nochern, der Lahnsteiner Schreiner, Restaurator und Antikholz-Detektiv Jürgen Zmelty, Rheinkiesel-Künstler Detlev Kleinen, die Kauber Bildhauerin Kirstern Herold, Rafting-Anbieter Sven Bernd und last but not least das Braubacher Power-Duo Erich und Karolin Kunz. Vater und Tochter haben den historischen „Weißen Schwan“ von einem Abriss-Kandidaten zu einem der besten Hotels im Welterbe-Tal entwickelt. Einer fehlt eigentlich noch im TV-Beitrag: Dirk Melzer aus Kaub. Der Kölner Landschaftsarchitekt und Ferienhaus-Ästhet ist gerade in der Digitalserie „Wir sind Heimat“ des Zentrums Baukultur Rheinland-Pfalz porträtiert worden. Melzer hat u. a. ein historisches Schifferhaus am Kauber Marktplatz mit sehr viel Geschmack und unglaublicher Liebe zum Detail saniert. ARD-Mediathek („Fahr mal hin“), Zentrum Baukultur (Melzer)

Kauber Marktplatz mit Melzer-Haus (2. v. l.). Dass die Kanonen in Richtung linke Rheinseite zeigen, kann nur Zufall sein.

Kauber Marktplatz mit Melzer-Haus (rechts). Dass die Kanonen in Richtung linke Rheinseite zeigen, kann eigentlich nur Zufall sein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

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