Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: September 2020 Seite 1 von 8

In Oberwesel gehen die Lichter aus

Nach über 750 Jahren endet heute die Geschichte des Oberweseler Krankenhauses. Die Hospital-Tradition in der Stadt ist älter als manche Burg in der Umgebung. Sie überdauerte mehrere Pest-Epidemien, die Reformation, den Dreißigjährigen Krieg, Ludwig XIV., Napoleon, die Industrialisierung, die Nazis und 2 Weltkriege, aber nicht die Marienhaus GmbH, die zuletzt die Geschäfte führte. Formal geht der Betrieb der Trägergesellschaft weiter: Das Seniorenheim bleibt geöffnet, und ein „Gesundheitscampus“ soll ambulante Angebote entwickeln, allerdings gibt es dazu noch nichts Konkretes. Unterdessen wird der größte Teil der rund 300 Arbeitsplätze abgebaut. Der Sozialplan sollte eigentlich aus aus dem so genannten Krankenhausstrukturfonds des Landes und der Krankenkassen finanziert werden. Weil der Antrag dafür aber bestenfalls in letzter Minute gestellt wird, muss die Krankenhaus GmbH in Vorleistung treten. Im Worst Case bleiben die Gesellschafter auf den Kosten für die Schließung sitzen. Das beträfe auch die Städte Oberwesel und St. Goar und die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein. Sie sind mit insgesamt 45 Prozent beteiligt. Laut Oberwesels Bürgermeister Marius Stiehl ist der Antrag „im Grund nach fertig, aber natürlich gibt es noch ein paar Feinheiten, die man final ausformulieren muss“. Die Frist läuft um Mitternacht ab.

Krankenhaus Oberwesel: Am 30. September ist Schluss.

Nach Recherchen der „RZ“ versucht die kirchlich-kommunale Krankenhau GmbH derzeit, Kündigungen durch so genannte „Turbo-Prämien“ zu beschleunigen: Wer auf den Gang zum Arbeitsgericht verzichtet, erhält eine höhere Abfindung. Eine solche Lösung ist in der Personal-Praxis gang und gäbe. Sie befreit alle Beteiligten vom Prozessrisiko und wird in vielen großen Unternehmen angewandt – manchmal sogar als Angebot an ausnahmslose die gesamte Belegschaft.

In den vergangenen Wochen hatte das Interesse des Immobilien- und Handelsunternehmens Helexier noch einmal Hoffnungen geweckt. Allerdings konnte die Firma aus dem pfälzischen Zweibrücken keine Erfahrungen im Klinik-Management vermitteln. Auch an ihrem eigentlichen Standort scheint Helexier noch nicht richtig weitergekommen sein. Nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ sind Pläne für Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Medizin-Verkauf und eine Kita „noch kaum weiter konkretisiert“. Helexier hatte Ende März das Gebäude des früheren Evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken gekauft.  Rhein-Zeitung, Saarbrücker Zeitung/Pfälzischer Merkur

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Da wir ausschließlich Steillagen bewirtschaften, arbeiten wir mit dem Binger Seilzug. Erster Schritt: Unsere Trauben werden nur händisch abgeschnitten und in die kleinen orangefarbenen Bütten gelesen. Zweiter Schritt: An dem Traktor (unser altes, aber super funktionierendes Deutz Schlachtross- aka „Never change a running system“) ist eine Seilwinde angebaut. Diese zieht den Traubenwagen mitsamt der vollen Bütten den Weinberg hoch. Zuletzt werden unsere Trauben dann ebenfalls mit Woman- und Manpower händisch in den großen Traubenwagen gekippt. Damit fährt unser Traktor nach Hause und unsere Rieslingtrauben kommen schonend in die Presse. #neverchangeawinningteam #rheingau #bingerseilzug #steillage #riesling #deutz #hartearbeit #girlpower #oldbutgold #lovemyjob #letsdothis #weinlese2020 #steilistgeil

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Brückenschlag in der „FAZ“ und extremes Marketing in Oberwesel

Die Idee einer Radler-Brücke über den Rhein nimmt Fahrt auf. Nach der Lokalpresse berichtet jetzt auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über das Projekt „Grüne Welle“, das zur Bundesgartenschau 2029 Bingen und Rüdesheim verbinden könnte. Der Vorschlag des Ingelheimer Fahrrad-Aktivisten Stefan Schweitzer wird von beiden Städten unterstützt. Bingens Oberbürgermeister Thomas Feser hat bereits die Landesregierungen in Mainz und Wiesbaden kontaktiert. Für die Zweirad-Querung macht sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) stark. Laut „FAZ“ hätte sie das Zeug zur Touristenattraktion: Mit rund 1000 Metern wäre es die längste Fahrradbrücke Europas. Vorbild ist die „Fahrradbrücke der Freiheit“, die seit 2011 über den Fluss March hinweg Niederösterreich mit der Slowakei verbindet. Sie ist 550 Meter lang und kostete 4,9 Millionen Euro. 80 Prozent zahlte die EU. Eine Fahrradbrücke über den Mittelrhein wäre deutlich günstiger, umweltschonender und schneller zu realisieren als eine Autoverbindung. Die Mittelrheinbrücke für motorisierte Fahrzeuge ist bis in die 30er Jahre hinein ohnehin nur im Raum St. Goar vorstellbar. Dort beginnt demnächst das Raumordnungsverfahren.  FAZ, Wikpedia („Fahrradbrücke der Freiheit“) 

Blick auf Rüdesheim. Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein Tourismus

Extremes Marketing in Oberwesel

Apropos Bundesgartenschau: Das Marketing für das Welterbe-Tal insgesamt dürfte funktionieren, aber wie präsentieren sich die einzelnen Städte? In Oberwesel ist gerade ein Kommunikationskonzept verabschiedet worden. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Ratsmitglierd Christian Büning hat das Leitmotiv „Lage: extrem“ entworfen. Büning ist vom Fach; als Kommunikationsdesigner hat er sich auf Markenentwicklung spezialisiert. Die „Extrem“-Idee klingt ungewöhnlich, ergibt aber Sinn. Sie ist kein weiterer „Romantik“-Aufguss, sondern betont das Ungewöhnliche, Einzigartige und Gegensätzliche im Tal. Auch die Nachbarstädte haben sich bereits positioniert: St. Goar will verstärkt auf das Thema Kultur setzen, Bacharach auf das Leitmotiv Poesie. Rhein-Zeitung

Bettelarm in Bacharach

„Bettler von Bacharach“, so hat man sich immer den heimlichen Spitznamen des Bacharacher Bürgermeisters in Mainzer Regierungskreisen vorgestellt. Tatsächlich ist der „Bettler von Bacharach“ ein neues Tourismus-Angebot in der Stadt. Ab sofort zieht Paul Kachur im Lumpenkostüm durch die Gassen und führt im Auftrag von Touristik-Chef Christian Kuhn zu unbekannten Winkeln. Für die grafische Gestaltung sorgte Michael Apitz, der Schöpfer der „Karl“-Comics. Das neue Bettler-Programm soll helfen, die Saison zu verlängern.  Die örtliche Rhein-Nahe-Touristik vermarktet unterschiedliche Führungen und Programme, pro Jahr werden bis zu 250 gebucht. Wer auf Bettler-Tour gehen möchte: Kachur ist z.B. am 10. und am 24. Oktober jeweils ab 11 Uhr unterwegs. Die Teilnahme kostet 9 Euro. Allgemeine Zeitung, rhein-nahe-touristik.de

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Der geschenkte Gaul von Oberwesel und ein neuer Mittelrhein-Fan aus Tötensen

Das Ensemble rund um die Oberweseler Martinskirche gehört zu den schönsten Plätzen am Mittelrhein. Das Problem ist: Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert wird eigentlich nicht mehr gebraucht und auch das nahegelegene katholische Jugendheim sieht zwar wunderbar aus, kostet aber nur Geld. Laut „RZ“ will die katholische Kirchengemeinde das Haus und ein weiteres Gebäude loswerden und es an die Stadt verschenken. Das Jugendheim soll in zu einem kommunalen Mehrzweckgebäude umgebaut werden. Allerdings sind die Folgekosten so unklar, dass im ansonsten eher harmoniebedürftigen Stadtrat Widerstand aufflammte. Grüne, SPD und Freie Wähler wollen dem geschenkten Gaul vorher noch ins Maul schauen, aber die CDU setzte sich mit ihrer Mehrheit durch. Mit einem Argument von Fraktionschef Jan Zimmer, das nur beim Kampf um des Krankenhauses nicht galt: „Wir müssen als Politiker auch den Mut haben, Entscheidungen zu treffen, bei denen wir nicht auf Heller und Pfennig wissen, was es kosten wird.“ Rhein-Zeitung

Blick auf Oberwesel. Foto: Rheinland-Pfalz-Tourismus / Dominik Ketz

Blick auf Oberwesel und die „Weiße Kirche“ auf dem Martinsberg. Foto: Rheinland-Pfalz-Tourismus / Dominik Ketz

Ein neuer Mittelrhein-Fan aus Tötensen

Noch ist nicht klar, wann die neuen Casting-Episoden von „Deutschland sucht den Superstar“ ausgestrahlt werden, aber es sieht nach Mittelrhein-Werbung zur besten Sendezeit aus. Laut Medien-Fachmagazin DWDL war Chef-Juror Dieter Bohlen von der Casting-Kreuzfahrt im Welterbe-Tal restlos begeistert. „Hier ist die Welt noch in Ordnung“, zitiert ihn das Blatt. Seine Frau habe er gefragt, „warum sie nicht hier, im schönen Mittelrheintal, wohnen.“  Bohlen lebt in Tötensen südlich von Hamburg. DWL

Corona-Tourismus: Die erste Bilanz

Das rheinland-pfälzische Statistische Landesamt hat das Corona-Loch vermessen. Demnach lief der Rheintal-Tourismus im Juli nicht berauschend, aber deutlich besser als in anderen Regionen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Gästezahlen um 7,9 Prozent zurück, und es gab 9,8 Prozent weniger Übernachtungen. Die meisten anderen Tourismus-Landschaften meldeten dagegen zweistellige Einbrüche. Besonders heftig traf es Rheinhessen mit einem Gäste-Minus von rund 34 Prozent. An der Mosel lief es dagegen noch besser als im Vorjahr. Campingplätze und Ferienwohnungen waren besonders gefragt. Die Statistik bildet aber nur einen Teil des Welterbe-Tals ab. Unter „Rheintal“ verstehen die Statistiker den rheinland-pfälzischen Mittelrhein bis zur NRW-Landesgrenze. Bingen und der hessische Rheingau mit Rüdesheim und Lorch sind nicht berücksichtigt. statistik.rlp.de

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