Wenn es um Ausgrabungen am Mittelrhein geht, ist Peter Henrich nicht weit. Der Chef der Direktion Landesarchäologie in Koblenz kümmert sich um die historischen Bodenfunde in der Region und ist Entdecker und Bewahrer zugleich: Er erforscht die Überreste von Jahrtausenden und schützt sie vor Baggern, Raubgräbern und anderen verbotenen Eingriffen. 7 Fragen an den Alpha-Archäologen vom Mittelrhein.

Dr. Peter Henrich leitet die Direktion Landesarchäologie in Koblenz. Foto: GDKE

Dr. Peter Henrich leitet die Direktion Landesarchäologie in Koblenz. Foto: GDKE

Archäologe ist für viele ein Traumberuf. Wie war dein Werdegang, und was genau ist deine Aufgabe?

Ich war mit 7 Jahren zum ersten Mal auf einer Ausgrabung und habe seit meinem 12. Lebensjahr jedes Jahr bei Grabungen mitgearbeitet. Dann habe ich Archäologie studiert und nach der Doktorarbeit bei diversen Ausgrabungsprojekten im In- und Ausland als Wissenschaftler gearbeitet. Von 2008 bis 2014 war ich Geschäftsführer der Deutschen Limeskommission. Dort habe ich mich um das UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches –  Obergermanisch-Raetischer Limes“ gekümmert. Seit 2014 bin ich bei der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz als Archäologe für den Koblenzer Bereich – also den Norden von Rheinland-Pfalz – zuständig. Ich koordiniere archäologische Ausgrabungen und Forschungen und bearbeite Fundmeldungen. Man kann also sagen, dass ich genau in meinem Traumberuf gelandet bin, der aber im Alltag nichts mit Indiana Jones oder Lara Croft zu tun hat.

Was macht das Welterbe-Tal für Archäologen interessant?

Das Welterbe-Tal war schon immer eine wichtige Verkehrs- und Kommunikationsachse. Es war durch die Zeiten hindurch auch immer Ort von Interessenskonflikten und eine Grenze.

Zur Buga 2029 ist auch ein Burggärten-Projekt geplant. Wird die Landesarchäologie eingeschaltet, wenn man rund um die Burgen buddelt und umgräbt?

Selbstverständlich. Wir sind immer auf den Baustellen mit dabei, wenn archäologische Funde zu erwarten sind. Und das ist bei den Burgen zu fast 100 Prozent der Fall.

Wie wichtig ist das römische Erbe am Mittelrhein, und was hoffst du noch zu finden?

Über die römische Zeit wissen wir am Mittelrhein, also im Rheintal selbst, noch sehr wenig. Hier gilt es bei zukünftigen Bauprojekten, eventuelle Funde zu bergen. Deshalb sind wir bei allen Bauvorhaben immer dabei. Die benachbarten Regionen sind da schon viel besser erforscht. Aber auch hier weiß man nie, was die Zukunft an Funden noch bringt.

Beim Extrem-Niedrigwasser 2018 warnte deine Behörde vor Schatzjägern und Raubgräbern. Wie groß ist das Problem?

Sehr groß. Wer in Rheinland-Pfalz mit einem Metalldetektor auf Schatzsuche geht, benötigt eine  so genannte Nachforschungsgenehmigung. Viele der Schatzsucher, auch Sondler genannt, suchen aber ohne diese Genehmigung und ohne archäologisches Fachwissen. Und so werden durch das unsachgemäße Bergen und Ausgraben von Funden viele archäologische Fundstellen unwiederbringlich zerstört. Es ist ein Irrglaube, wenn man davon ausgeht, dass archäologische Funde im Rhein ohne Probleme mitgenommen werden können. Da kein Fund „einfach so“ in den Rhein gelangt ist, können wir Archäologen bei der Gesamtschau aller Funde dann herausfinden, wieso diese und jene Funde im Rhein liegen – andere Fundgruppen aber nicht. Wird nun ein solcher Fund unsachgemäß geborgen und nicht gemeldet, verzerrt sich das gesamte Fundbild.

Lass es mich an einem Beispiel erklären: Es gibt am Rhein eine Stelle, die Schauplatz eines Gefechts aus dem 18. Jahrhundert war. Gefunden wurden dort Bleigeschosse und Münzen aus der Zeit. Dies ist das Ergebnis der Arbeit der Sondler, die mit uns zusammenarbeiten. Hätte ein anderer Sondler die Fundstelle entdeckt und die Münzen mitgenommen, hätten wir anhand der übrig gebliebenen Geschosse das Gefecht nur sehr ungenau datieren können.

Wie sind deine Erfahrungen mit ehrenamtlichen Archäologie-Fans? Helfen sie oder stören sie euch eher?

Hier gibt es diejenigen, die mit uns zusammenarbeiten und uns unterstützen. Da haben wir in der Regel keine Probleme. Richtig schlimm sind allerdings die illegal sondelnden, die gezielt archäologische Fundstellen ausplündern, um die Funde zu verkaufen.

Was sind deine nächsten Projekte im Oberen Mittelrheintal?

Da bin ich auch schon gespannt. Da wir ja nicht selbst anfangen zu graben, sondern auf Baumaßnahmen und dort zu erwartende Funde reagieren, weiß man nie genau, was noch kommt. Es ist jeden Morgen spannend, was der Tag oder auch die Woche so bringen wird.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Zuletzt in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) – Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises) – Matthias Pflugradt (Medienprofi, Bestatter und Loreley-Rebell aus St. Goarshausen) – Heinz-Uwe Fetz (Weinbau-Präsident, Winzer und Gin-Macher aus Dörscheid) – Michael Maul (Sprecher der Fährbetriebe am Mittelrhein) – Martin Nickenig (Bäckermeister in Boppard) – Walter Bersch (Bürgermeister von Boppard) – Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein(Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar)

Anzeige: Rheinleuchten mit Loreley-Blick

Die neu gestaltete Loreley ist dieses Jahr das Highlight der Illuminationsshow „Rheinleuchten“ am Osterwochenende. Zu den Geheimtipps gehört ein Besuch gleich nebenan: Am Spitznack gibt es in der Osternacht Lagerfeuer, Weinprobe und Vesper. Wer es etwas klassischer mag, diniert gegenüber auf „Maria Ruh“. Dort steht vom 18. bis zum 22. April ein „leuchtenden Themen-Menü“ auf der Karte. Weitere Infos zum „Rheinleuchten“-Projekt des Zweckverbands Welterbe gibt’s unter rhein-leuchten.de und auf Facebook.

Termine des Tages

Lorch – Oldie Sunday im Landmuseum Ransel – 7. April, 10 Uhr – 15 Uhr. Stadt Lorch

Kamp-Bornhofen – Frühlingsmarkt auf Burg Sterrenberg – 7. April, ab 11 Uhr. VG Loreley

Bingen – „BIN Mobil“ / Verkaufsoffener Sonntag – 7. April, 13 Uhr – 18 Uhr. bingen.de

Filsen – Erlebniswanderung über den Filsener Kirschpfad- 7. April, 14 Uhr. filsen.de

Oberwesel – Oelsberg-Wanderung mit Welterbe-Wanderführer Wolfgang Blum – 7. April, 14 Uhr. gaestefuehrer.welterbe-mittelrhein.de

Bingen – Orgelmeditation in der Kapuzinerkirche – 7. April, 17 Uhr. bingen.de

Lorch-Espenschied – Frühlingssingen – 7. April, 14 Uhr. Stadt Lorch

Boppard – „Heidewitzka auf den 7 Weltmeeren“ / Kulturfestival Boppard – 7. April, 19 Uhr. boppard.de

Boppard – „Astrid“ / Cinema in der Stadthalle – 7. April20 Uhr. boppard.de

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