Seit Juni hat das Tal eine neue Burgenbloggerin.  Mit der Mainzer Kommunikationsdesignerin Mareike Knevels ist ein kreatives Multitalent auf Burg Sooneck eingezogen. Sie schreibt, fotografiert, illustriert und porträtiert. 7 Fragen an eine Meisterin der Menschenbeschreibung.

Mareike Knevels ist seit Juni Burgenbloggerin auf Sooneck. Foto: Andreas Jöckel / EA

Mareike, wie bist du Burgenbloggerin geworden? Bewirbt man sich oder wird man gefragt?

Beides – sozusagen. Es war eine Empfehlung durch die DESCOM, das Design Forum Rheinland-Pfalz. Ich war dort zu einem Beratungsgespräch, um zu schauen, welche Möglichkeiten mir nach meiner Lehrtätigkeit respektive wissenschaftliche Mitarbeit an der Hochschule Mainz offenstehen. Ich wusste nur: Ich möchte weiter schreiben und zeichnen. Und dann kam eins zum anderen, am Ende saß ich aber dann wie bei einem normalen Bewerbungsgespräch mit den drei Projektpartnern Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, Generaldirektion Kulturelles Erbe und Rhein-Zeitung an einem Tisch.

Du bist Nr. 5 auf der Burg. Hast du Kontakt zu deinen Vorgängern, und gab es Tipps von ihnen?

Kontakt zu meinen Vorgängern habe ich tatsächlich. Timo Stein durfte ich persönlich kennen lernen, und Christoph Bröder hat mir eine  Notiz in der Burg hinterlassen. Die musste ich allerdings erstmal finden, denn sie war gut hinter einem Holzschild versteckt.

Wenn ich Fragen habe oder Tipps brauche, weiß ich, könnte ich mich jederzeit bei beiden melden. Timo hat mir zumindest schon mal ein paar sehr gute Essenstipps mitgegeben – die ich mit Sicherheit nutzen werde.

Wenn man deine Texte liest, würde man es nicht glauben, aber du bist die erste Burgenbloggerin ohne journalistischen Hintergrund. Wie kamst du zum Schreiben?

Seltsamerweise ist mir erst kürzlich eingefallen, dass ich schon als Kind hin und wieder Geschichten geschrieben habe. Aber das heißt ja wie bei Vielem noch lange nicht, dass das auch gut ist, was man da tut. Im Kunststudium in Weimar und später dann im Kommunikationsdesign habe ich den Schwerpunkt Text gehabt. Natürlich ist das nicht mit einem journalistischen Studium zu vergleichen, es ging viel mehr um freies Schreiben, aber auch um die kritische Auseinandersetzung mit Themen.

In der Theorie ist Burgenblogger ein Teilzeitjob. In der Praxis auch?

Nein, ich glaube nicht. Aber ich denke da auch gar nicht so festgelegt oder kategorisch. Wenn ich unterwegs bin und eine schöne Begegnung wie in Ehrental habe, dann schaue ich nicht auf die Uhr und denke, „die Teilzeit an dem Job ist jetzt vorbei.“ Das würde dem Ganzen irgendwie den Raum nehmen. Auf der anderen Seite gucke ich natürlich schon, dass ich mir dir nötigen Pausen nehme, um wieder mit Neugierde und Energie rausgehen zu können.

Was hat dich in deinen ersten Wochen am meisten überrascht? 

Ganz ehrlich? Die Burg! Vorstellungen, wie es ist, auf einer Burg zu leben, hatte ich keine – wie auch? Aber einfach auf der Burgmauer zu sitzen, den Rhein zu beobachten, unter freiem Himmel zu sein, die hellen Sterne bei Nacht zu sehen, das ist wirklich großartig. Hinzu kommt, dass die Burg für mich wie ein Refugium der Stille geworden ist, an dem ich den Alltagsstress ganz gut hinter mir lassen kann.

Gab es auch negative Erfahrungen?

Bisher kaum. Natürlich hat sich mal jemand übergangen gefühlt, weil ich nicht bei ihm vorbeigeschaut habe, aber die negativen Erfahrungen kann ich an einer Hand abzählen.

Könntest du dir vorstellen, dauerhaft am Mittelrhein zu leben?

Jein. Vor sechs Wochen hätte ich wahrscheinlich mit einem relativ entschlossenen „Nein“ geantwortet. Zugegeben, ich mag das städtische Leben schon sehr gerne. Aber je mehr Zeit ich im Mittelrheintal verbringe, diese tolle Landschaft genieße und sehe, wie viel hier dann doch passiert und vor allem die vielen offenherzigen Leute, denen ich begegne, desto mehr kann ich mir ein Leben hier dann doch vorstellen. Mal sehen, was bis Mitte Dezember noch so passiert.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Zuletzt in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein(Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler (Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar)Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen)Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen)Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen)

Termine des Tages

Lorch-Wollmerschied – Tropen Tango Festival – 4. August. tropen-tango.de

Rüdesheim – Automata Festival zum 50. Geburtstag von Siegfrieds Mechanischem Musikkabinett – 4. August, ab 10 Uhr. rheingau.com

St. Goar – Burg- und Hansenfest – 4. August, ab 11 Uhr. VG St. Goar-Oberwesel

Oberwesel – Orgelmatinee in der Lienfrauenkirche – 4. August, 11 Uhr 30. oberwesel.de

Bingen – „Museum am Strom – Vom Elektrizitätswerk zum Museum / Sonderführung – 4. August, 11 Uhr 15. bingen.de

Foto des Tages

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