Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Monat: Dezember 2020 Seite 3 von 5

Corona als Crashkurs

Wer in der zweite Corona-Welle nicht untergehen will, setzt auch am Mittelrhein auf Digitalisierung, Logistik und Service. Maike und Steffen Bischof sind ein gutes Beispiel. Die früheren Pächter der Binger „Vinothek“ haben im Stadtteil Kempten den „Genussgarten“ aufgezogen, einen Obst- und Gemüsehof mit Laden und Eventfläche. Was als Ort der Begegnung geplant war, muss jetzt auch aus der Distanz funktionieren. In der „AZ“ erzählen sie, wie sie sich gegen die Krise stemmen. Bischoffs bieten u. a. die „Weihnachtsfeier aus der Box“ an, individuell zusammengestellte Pakete von Unternehmen für ihre Mitarbeiter. „Wir waren von einem Tag auf den anderen ein Logistikunternehmen“, sagt Maike Bischof. Ähnliches gibt es auf den Burgen Reichenstein und Rheinstein. Manche Wirte ziehen einen Lieferdienst der besonderen Art auf. Sie verschicken küchenfertige Spezialitäten vom Mittelrhein ins ganze Bundesgebiet. Der Oberheimbacher YouTube-Gastronom Florian Lambrich und sein Bruder Marc („Weinbergschlösschen!) drehen am Samstag ein noch größeres Ding. Sie kochen gemeinsam mit rund 150 zahlenden Online-Teilnehmern ein 3-Gang-Menü vor laufender Internet-Kamera. Die wichtigsten Zutaten für die digitale Küchenparty wurden per Post verschickt, dazu kam eine Weinempfehlung: Grauburgunder aus Steeg und Pinot Noir aus Oberheimbach. Allgemeine Zeitung (Weihnachtsfeier aus der Box)

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Gnadenfrist für Bahn-Dinos

Apropos Corona: Das Virus beeinflusst selbst den Bahnlärm. Wegen Kapazitätsproblemen in der Industrie ist die Umrüstung veralteter Güterwagen ins Stocken geraten. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat darum die geplante Geldstrafe für besonders laute Waggons um ein Jahr verschoben. RTL

Ein Startup-Preis für Rüdesheim

Im Rheingau hat die Hochschule Geisenheim erstmals einen regionalen Gründerpreis vergeben. Zu den Siegern gehört der Rüdesheimer Kai Cimenti. Der Startup-Gründer aus dem Welterbetal gewann mit seiner „Walk like a local“-Idee. Climenti hat perfekt vorbereitete Wanderungen für Individualtouristen entwickelt – Verpflegung, Kartenmaterial, digitale Infos und natürlich Wein inklusive. Das Rundum-Sorglos-Paket made in Rüdesheim richtet sich vor allem an Paare. Wiesbadener Kurier, walklikealocal.de

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„Ein absolutes Kleinod“

In das wahrscheinlich schönste Materiallager am Mittelrhein sollen bald Millionen fließen. Laut „AZ“ hat sich ein Investor für den so genannten „Tonnenhof“ in Bacharach gemeldet. Das elegante Bruchsteingebäude liegt am Rand der Rheinanlagen nur einen Steinwurf vom Ufer entfernt und wird bislang noch als kommunaler Bauhof genutzt. Weil die Lage Besseres verdient hat, träumt man in der Stadt seit Jahren von einem ganzjährig geöffneten Ausflugslokal mit Rheinterrasse. Jetzt hat sich jemand gefunden, den die Zeitung als „Unternehmer aus dem Raum Bingen“ beschreibt. Der Name soll erst öffentlich werden, wenn der Bacharacher Stadtrat informiert ist. Der Mann habe bereits einen Pächter mit Mittelrhein-Erfahrung an der Hand, schreibt „AZ“-Reporter Jochen Werner. Geplant sind ein Anbau im Stil des bestehenden Gebäudes, der die Fläche auf über 240 Quadratmeter erweitert. 2 Panoramafenster sollen den Blick auf die Insel Heylesen Werth und die Burg Stahleck öffnen. Der Investor kalkuliert mit Kosten von knapp 2 Millionen Euro; er würde die Immobilie in Erbpacht übernehmen. Vom Standort ist er überzeugt:  „Der große Vorteil des Grundstücks liegt darin, dass es sich nicht an der Bahnlinie befindet. Dazu kommen der Rhein, der Radweg, der Parkplatz und der KD-Anleger. Alles zusammen macht den Tonnenhof zum absoluten Kleinod“, zitiert ihn die „AZ“. Wenn alles glatt geht, könnte das Lokal 2022 öffnen. Allgemeine Zeitung

Blick auf Bacharach am Rhein.

Blick auf Bacharach. Der eingeschossige „Tonnenhof“ ist vorne rechts am Ufer zu erkennen. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Die Farbe LiLo

Am 14. März ist Wahltag in 3 Welterbe-Städten: In Boppard geht es um den neuen Bürgermeister, in Rüdesheim und Lorch um die Kommunalparlamente, die dort nicht Stadtrat, sondern Stadtverordnetenversammlung heißen. In Lorch könnte es ein Tag der Abrechnung werden. Dort ist das Verständnis für egomanischen Dauerzank so gut wie aufgebraucht. Nachdem SPD und CDU eine Parlamentssitzung boykottiert und beschlussunfähig gemacht hatten, platzte mehreren Bürgern der Kragen. Sie wollen mit einer unabhängigen Liste zur Wahl namens „LiLo“ (Liste Lorch) zur Wahl antreten und die Blockade beenden. Sprecher ist der frühere SPD-Mann Joachim Eckert. Seine Ex-Partei hat unterdessen Mühe, eine Kandidatenliste aufzustellen. Laut „Wiesbadener Kurier“ haben sich statt 19 wie beim letzten Mal nur 9 Bewerber für die Stadtverordnetenversammlung gefunden, darunter der konfliktfreudige Fraktionschef Georg Breitwieser. Breitwieser befeuert die parlamentarische Fundamentalopposition gegen den parteilosen Bürgermeister Ivo Reßler, hat aber selbst nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung: Bei der Bürgermeisterwahl 2019 kam er mit 9,4 Prozent der Stimmen nicht über den ersten Wahlgang hinaus. Wegen des kommunalpolitischen Dauerkrachs hat die hochverschuldete Stadt noch immer keinen Haushalt verabschiedet. Wiesbasdener Kurier

Boppard braucht euch

Bis zur Corona-Krise galt Boppard als Einkaufsidylle am Mittelrhein. Während ringsum die Innenstädte mehr und mehr verödeten, florierte hier der Handel fast wie in alten Zeiten. Das ist bis auf weiteres vorbei. Die „RZ“ hat sich in den Läden umgehört und mit Geschäftsleuten gesprochen, die mehr denn je auf die Solidarität ihrer Kunden angewiesen sind. Rhein-Zeitung

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Die Invasion der Mountainbiker und ewig grüßt das Marienhaus

Rund um Rüdesheim ist ein Streit um Mountainbike-Fahrten im Wald entbrannt. Auslöser war Forstamts-Vize Arno Dietz. Er hatte sich öffentlich über rücksichtslose Radler, gestresstes Wild und Schäden an Pflanzen und Wegen beklagt. Die örtliche Mountainbiker-Szene gibt im „Wiesbadener Kurier“ Contra. „Die Wildtiere stören sich nachweislich nicht an den Mountainbikern, sondern vielmehr an den lauten Arbeitsmaschinen und Fahrzeugen der Waldarbeiter“, zitiert das Blatt Mirko Mischok vom Mountainbiker-Club „Red Pulse“. Er fordert eine gemeinsame Sport-Strategie nach dem Vorbild des Deutschen Alpenvereins. Das Ziel: Professionell ausgewiesene Strecken für Mountainbiker. Bisher ist das Angebot am Mittelrhein überschaubar. Einen größeren Parcours gibt es nur bei Amir Kabbani in Boppard.  Wiesbadener Kurier, redpulse.de (Rüdesheim), amirkabbani.com (Boppard)

Rheinsteig bei Lorch. Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein-Tourismus

Und ewig grüßt das Marienhaus

Die gute Nachricht zuerst: Das Binger Krankenhaus steht nicht zur Disposition. Dafür hat der kirchliche Mehrheitseigentümer Marienhaus schon selbst gesorgt, indem er die Loreley-Kliniken in St. Goar und Oberwesel schloss. In Bingen muss Marienhaus sich nicht mit kommunalen Miteigentümern herumschlagen. Seit dem Rückzug des Bistums Mainz kontrolliert der Konzern 94 Prozent der Krankenhaus-Anteile. Der unbedeutende Rest gehört einer Stiftung. Aber das Betriebsklima scheint in Bingen ähnlich schlecht zu sein wie zuvor in Oberwesel. In der aktuellen „AZ“ äußern sich Manager und (anonyme) Mitarbeiter über massive Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi. Sie hatte von „modernem Sklavenhandel“ in Bingen gesprochen. Die Geschäftsführung bestreitet das, räumt aber Personalmangel und hohe Fluktuation ein. Allgemeine Zeitung

Steeg für Anfänger

Für echte Steeger ist ihr Ort das Beste am Mittelrhein. In den anderen Bacharacher Stadtteilen würde man das vielleicht nicht immer unterschreiben, trotzdem ist das langgezogene Straßendorf zwischen Rhein und Hunsrück etwas Besonderes – und eine Welt für sich. Engagement und Zusammenhalt der Steeger sind legendär. Ganz gleich, ob jemand alteingesessen oder zugezogen ist: Steeg macht sie alle zu Lokalpatrioten.  Wer noch nie dort war, hat etwas verpasst. Eine neue TV-Reportage des SWR vermittelt einen guten ersten Eindruck. Zu sehen sind u. a. Ortsvorsteher und Urgestein Dieter Stiehl und Neuzugang Krisztian Berki vom Gasthof „Zum Blüchertal“. SWR (Video)

Zahl des Tages

330.000 so genannte „Schienenstegdämpfer“ hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren im Mittelrheintal verbaut. Die Gleis-Installationen sollen den Lärm reduzieren. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, wettert Bahnlärm-Aktivist Frank Gross von der Bürgerinitiative „Pro Rheintal“. Der Verein hatte die Technologie in einer früheren Veröffentlichung allerdings ausdrücklich gelobt  und „hohe Wirkung bei Güterzügen“ attestiert. Rhein-Zeitung, pro-rheintal.de

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