Manchmal helfen Facebook und Instagram gegen Heimweh. Die digitalen Bilder, Videos und Texte dort können Menschen über viele Kilometer und Autostunden hinweg mit ihrer alten Heimat verbinden. Christiane Speth aus dem Bopparder Höhenort Udenhausen nutzt diese Möglichkeiten. Sie ist eine von vielen Mittelrheinern, die es an entfernte Orte verschlagen hat und trotzdem den Kontakt halten. Christiane lebt und arbeitet in Südbaden in der Nähe der Schweizer Grenze. Mir ist sie durch ihre klugen, witzigen und warmherzigen Kommentare in der Facebook-Gruppe „Besser Boppard“ aufgefallen – und durch ihren selbstironischen Patriotismus für Udenhausen. 7 Fragen an eine Boppard-Botschafterin im Exil.

Das Tal immer im Blick: Christiane Speth auf Heimatbesuch.

Christiane, ich bin ein großer Fan deiner Facebook-Kommentare und lerne dadurch immer wieder dazu – zum Beispiel, dass dein Heimatort Boppard-Udenhausen quasi der Olymp des Mittelrheintals ist. Du wohnst dort aber gar nicht mehr, oder?

Wow, ein Fan meiner Kommentare? Ich fühle mich wirklich geehrt, Dankeschön. Udenhausen ist wahrlich der Olymp des Mittelrheintals. Treffender könnte man es nicht formulieren.

Leider wohne ich schon mehr als 15 Jahre nicht mehr in Udenhausen. Und obwohl ich in dem Bopparder “Höhenstadtteil“ aufgewachsen, in Boppard-City zur Schule und in die Lehre gegangen bin, und so natürlich schon immer einen engen Bezug zum Mittelrheintal hatte, bezeichnete ich mich lange voller Überzeugung als (Vorder-)Hunsrückerin. Bis mein Cousin im Zuge seiner Ahnenforschung herausfand, dass unsere Vorfahren aus einer kleinen Mühle im Dinkholder Tal zwischen Braubach und Osterspai stammten. Seither fühle ich mich noch ein bisschen mehr mit dem Rhein verbunden und wehre mich auch nicht mehr gegen die Bezeichnung “Mittelrheinerin“.

Warum bist du weggezogen?

Meine Heimat Udenhausen hat ja nun wirklich alles zu bieten, was man sich nur wünschen kann. Die Hunsrückhöhen, Mosel- und Rheintal direkt vor der Haustür. Mystische Orte, einzigartige Landschaften. Es hätte keinen Grund für mich gegeben, jemals von dort wegzugehen – wenn es nicht ausgerechnet im fernen Südbaden den perfekten Mann für mich gegeben hätte …

Christiane Speth. Foto: Privat

Wie oft kommst du an den Mittelrhein zurück?

Für regelmäßge Wochenendtrips ist die Entfernung von knapp 450 Kilometern leider zu groß. Aber ich versuche, so oft wie möglich, heim zu fahren. Spätestens nach zwei, drei Monaten wird das Heimweh meist so groß, dass ich anfange mit den Hufen zu scharren und mich auf den Weg mache.

Wie hat sich das Tal seit deinem Wegzug verändert?

In den ersten Jahren hatte ich mancherorts tatsächlich den Eindruck, das Mittelrheintal verliert den Anschluss und verrottet regelrecht. In den letzten Jahren hat sich dieses Gefühl aber völlig verändert. Zum Glück gibt es noch immer wunderbare, alteingesessene Betriebe, die sich kaum verändert haben, und in denen man die reinste Zeitreise erleben kann, wie z. B. das Café Baldeau in der Bopparder Rheinallee, aber es gibt nach meinem Eindruck auch immer mehr junge Unternehmer mit frischen Ideen und viel Enthusiasmus. Beides zusammen, diese Mischung, finde ich ideal und glaube deshalb fest an die Zukunft des Tals.

Du bist eine Meisterin der Facebook-Formulierungen. Welche Rolle spielen die so genannten sozialen Medien für den Mittelrhein und für dich persönlich?

Für mich sind die sozialen Medien eine wichtige Verbindung in die Heimat. Was sich zu Hause abspielt, was es bei Freunden und Bekannten Neues gibt, welche Stimmung im Bezug auf lokalpolitische Themen herrscht, erfahre ich zuerst bei Instagram oder Facebook.

Für den Mittelrhein spielen die sozialen Medien sicherlich vor allem im Tourismusmarketing inzwischen eine wichtige Rolle. Allein die phänomenalen privaten Fotos, die sich unter den entsprechenden Mittelrhein-Hashtags bei Instagram finden, sind schon beste Werbung für die Region. Wer dort Bilder von Sonnenaufgängen am Gedeonseck, Burgen im Nebel oder bunt gefärbten Weinbergen im Herbst gesehen hat, will das doch live erleben.

 

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Was würdest du im Welterbetal ändern, wenn du es könntest?

Ehrlich gesagt, würde ich versuchen, so wenig wie möglich in großem Umfang zu ändern. Ich hätte Angst um den einzigartigen, romantischen Charme des Welterbetals. Es gäbe ganz sicher manches im Kleinen  zu verbessern, zu verschönern und auf den aktuellsten Stand zu bringen, aber es gilt auch unbedingt zu bewahren und zu erhalten. Bei diesem Thema kommt mir als ehemaliger Schülerin des Marienbergs sofort das extrem marode Kloster Marienberg in Boppard in den Sinn. Unglaublich beeindruckende Kloster- und Parkanlage, größtes Kulturdenkmal des Rhein-Hunsrück-Kreises, ein Wahrzeichen Boppards – und mittlerweile in einem erbarmungswürdigen Zustand. Ich hoffe inständig, dass der aktuelle Eigentümer eine Rettung “in letzter Sekunde“ schaffen wird. Wenn ich ‚Superkräfte‘ und enorm viel Geld hätte, hätte ich da womöglich eingegriffen.

Wenn du ganz zurückkommen würdest: Udenhausen oder Boppard City?

Mir ist bewusst, dass mir das Heimweh sicherlich die Sinne vernebelt und ich manches vielleicht auch sehr verkläre und romantisiere aus der Ferne. Trotzdem ist und bleibt Udenhausen mein Ankerpunkt, mein “Heimathafen“ und mein Ziel.

Sorry, Boppard, ich liebe dich – aber Udenhausen liebe ich noch mehr.

Also, ganz klar: zurück auf den Olymp.

 

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Zuletzt in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein (Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar) – Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen) – Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen) – Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen) – Mareike Knevels (Kommunikationsdesignerin und Burgenbloggerin) – Willy Praml (Theatermacher „An den Ufern der Poesie) – Sebastian Hamann           (Beigeordneter der Stadt Bingen) – Johannes Lauer (Dachdeckermeister und Kommunalpolitiker in Lahnstein) – Almut Lager (Unternehmerin und Denkmalschützerin in Bacharach) – Maximilian Siech (Sportler und Projektleiter beim Zweckverband Welterbe) – Till Gerwinat und Lambert Lensing-Wolff (Unternehmer auf Burg Reichenstein)

Termine des Tages

Lahnstein – Wald-Tag 2019 – 22. September, ab 10 Uhr. lahnstein.de

Oberwesel – „Der Oelsberg ruft“ / Wanderung mit Welterbe-Gästeführer Horst Maurer – 22. September, 11 Uhr. gaestefuehrer.welterbe-mittelrhein.de

Lorch – Ausstellungseröffnung „Stadt, Land, Fluss“ / Aquarelle von Ursula Multhaup – 22. September, 11 Uhr 30. lorch-rhein.de

Spay – 8. Spayer Leseherbst – 22. September, 14 – 17 Uhr. VG Rhein-Mosel

Rüdesheim – Jubiläumskonzert „10 Jahre chorArt“ – 22. September, 15 Uhr. ruedesheim.de

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