Gerd Benner verantwortet die Unternehmenskommunikation beim Koblenzer Versicherungskonzern Debeka, dem größten privaten Arbeitgeber weit und breit. Der gebürtige Bopparder macht sich für seine Heimat regelmäßig die Hände schmutzig: Als Vorsitzender des Bopparder Köhlervereins organisiert er einmal im Jahr hoch über der Stadt die Köhlertage und zeigt, wie man Holzkohle made in Boppard herstellt. Kommende Woche ist es wieder soweit. 7 Fragen an einen Marketingprofi mit Mittelrhein-Herz.

Kohle für Boppard: Gerd Benner. Foto: Privat.

Was verleitet den Kommunikationschef eines Versicherungskonzerns dazu, Holzkohle im Bopparder Wald herzustellen?

Die Abwechslung vom Büroalltag! Andere machen für teures Geld Survivaltrainings in der Wildnis – ich verbringe eine Woche auf dem Köhlerplatz. Und es kommt hinzu, dass ich beim Köhlern das Ergebnis meiner Arbeit unmittelbar und handfest sehe, das ist bei meinem Job nicht immer so.

Was ist die Kunst dabei?

„Schwele, schwele, brenne nicht – sonst verlier ich mein Gesicht.“ Dieser alte Köhlerspruch macht klar, worum es geht: Der Meiler muss kontrolliert verkohlt werden, aber er darf nicht brennen. Sonst gibt es Asche statt Holzkohle.

Erkennt der Laie den Unterschied zur normalen Supermarkt-Ware?

Wir nutzen das heimische Holz, also Eiche oder Buche aus dem wunderschönen Bopparder Stadtwald, das bei Pflegemaßnahmen nachhaltig gewonnen wird. Industriell hergestellte Holzkohle besteht oft aus Tropenhölzern, wo man die Herkunft oft nicht so recht nachvollziehen kann.

Den Unterschied merkt man sehr wohl. Unsere Kohle hat einen höheren Anteil an Kohlenstoff und ist damit qualitativ hochwertiger. Aber es kann sein, dass sich auch mal ein Steinchen vom Köhlerplatz im Sack verirrt – ist halt alles Handarbeit.

Foto: Privat

Du arbeitest in Koblenz. Was verbindet dich mit Boppard und dem Mittelrheintal?

Ich bin in Boppard aufgewachsen und habe noch immer viele familiäre und private Kontakte hier. Koblenz ist ja nicht weit weg … Boppard und das Mittelrheintal – das ist meine Heimat.

In deinem Job hast du mit Menschen aus der ganzen Republik und darüber hinaus zu tun. Was für ein Mittelrhein-Image nimmst du wahr?

Wenn ich mit dem Fahrrad durch das Mittelrheintal fahre, habe ich einen guten Blick auf die grandiose Landschaft. Wir leben in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. Das sagen auch alle Besucher, denen ich unsere Heimat zeige. Aber ich sehe leider auch, dass zu wenig getan wird, um das Tal für Besucher und Einwohner attraktiver zu machen. Vieles wirkt irgendwie „runtergekommen“, lieb- und leblos.

Du bist Marketing-Profi. Was würdest du bei Werbung und Kommunikation für das Tal anders machen?

Es reicht nicht aus, eine tolle Landschaft zu haben. Es braucht den Willen und die Mittel von allen Beteiligten, das Mittelrheintal aus seinem Dornröschenschlaf zu holen. Es muss ein Ruck durch das Tal gehen! Ich setze große Hoffnung in die Buga. Koblenz hat gezeigt, dass und wie es geht. Es fehlt vor allem die Dienstleistungs- und Servicementalität im Tourismus und in der Gastronomie. Und wir brauchen endlich die Brücke!

Dein Arbeitgeber Debeka hat es als privater Krankenversicherer nicht in der Hand, Ärzte in die Region zu holen. Aber wie würdest du einen Mediziner privat davon überzeugen, hier eine Praxis zu übernehmen?

Tolle Gegend, nette Menschen (die auch mal krank werden), hoher Freizeitwert, und sogar die Möglichkeit, bei einem der wenigen Köhlervereine in Deutschland mitzumachen!

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Zuletzt in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein(Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) Anne Kauer (Winzerin in Bacharach)

Termine des Tages

Koblenz – Kaiserin-Augusta-Fest am Welterbetag. 2. Juni, gastlandschaften.de

Henschhausen – Kerb – 2. Juni, ab 10 Uhr. Facebook

Festung Ehrenbreitstein – Historienspiele 2019 – 2. Juni, ab 10 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Bingen – Offene Gärten in Rheinhessen – 2. Juni, 10 – 18 Uhr. offene-gaerten-rheinhessen.de

Pfalz im Rhein – „Mitten im Strom – R(h)ein in die Burg“ / Familienfest zum Welterbetag – 2. Juni, 11 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Oberdiebach – „Auf Augenhöhe mit Exmoor-Pony und Buren-Ziege“ / Wanderung mit Welterbe-Gästeführer Horst Maurer – 2. Juni, 11 Uhr. gaestefuehrer.welterbe-mittelrhein.de

Binger Wald – Gartenführung Villa Rustica – 2. Juni, 11 – 16 Uhr. bingen.de

Bacharach-Medenscheid – „Rosengärten Langer und Lieber“ / Tag der offenen (Rosen-)Gärten – 2. Juni, 11 -17 Uhr. VG Rhein-Nahe

Lorch – Tag der offenen Tür im Hilchenhaus – 2. Juni, ab 13 Uhr 30. Stadt Lorch

Oberwesel – Führung vom Kloster zum barocken Pfarrgarten St. Martin – 2. Juni, 14 Uhr. gaestefuehrer.welterbe-mittelrhein.de

Bacharach – Mörike und die Musik der Romantik / Lesung und Konzert – 2. Juni, 17 Uhr. VG Rhein-Nahe

Boppard – „Avengers: Endgame“ / Cinema in der Stadthalle – 2. Juni, 20 Uhr. boppard.de

Foto des Tages

 

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Mittelrhein-Partie #rhein #mittelrheintal #mittelrhein

Ein Beitrag geteilt von Lars Christian Kink (@larskink) am

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